Andreas Honegger
Der Hochsommer ist für uns Menschen eine grossartige Zeit. Für die Pflanzen indessen kann er leicht zum Stress werden, wenn die Hitze so gross wird, dass allfällige Gewitterregen und Giessen einfach kaum mehr ausreichen, um den Wasserhaushalt der Pflanzen stabil zu halten.
Ein Grossteil unserer Gartenpflanzen zieht den Frühling als Blütezeit vor. Die haben nun schon viel hinter sich: Der Schlafmohn und der kalifornische Mohn zum Beispiel haben bereits ihre Samenkapseln gebildet und die amerikanische Variante lässt nun ihre gekrümmten schmalen Samenschoten bereits aufspringen: Das Überleben ist gesichert. Wir schneiden die Pflanze nun rigoros zurück, so wird sie wieder austreiben und in einigen Wochen nochmals ihre Blütenpracht liefern.
Andere Pflanzen haben wir bereits zurückgeschnitten. Wir wollen nicht, dass sie im Pflanzenbeet zu weit herausragen und die anderen Blumen verdrängen. Die Engländer nennen das Chelsea Chop: Zur Zeit der berühmten Gartenausstellung in London schneidet man die aufstrebenden Pflanzen recht brutal zurück: Das fördert ihre Verzweigung und lässt sie entsprechend auch mehr Blütenknospen treiben. Die Rangordnung im Beet ist nun so, wie sie der Gärtner geplant hat und die Blütezeit wird zurückgestellt, so dass nicht alles gleichzeitig erstrahlt, sondern auch vom Hochsommer bis im Spätsommer und im Herbst in den Blumenbeeten noch einiges abläuft. Phlox, Salbei, einige Wolfsmilcharten, aber sogar Rittersporn und hohe Glockenblumen können so besser «organisiert» werden. Vor allem die Stauden der Astern, die sonst recht dominant aus dem Chor der gemischten Beete herausragen, lassen sich mit dem Chelsea Chop etwas eindämmen und verlängern so die Blütezeit.
Dennoch kann man das Wässern der Pflanzen in der Hitze des Hochsommers nicht durch derartige Massnahmen ersetzen. Am besten spritzt man die Pflanzen am Abend, so dass sie in der Kühle der Nacht das Wasser aufnehmen können. Spritzt man zur wärmsten Tageszeit verdunstet der grösste Teil des Wasser sofort. Zudem sollte man lieber grosszügig wässern als mehrmals mit kleiner Menge.
Andreas Honegger,
Journalist und Alt-Kantonsrat