Sibylle Ambs. Bild: Sibylle Ambs
Neulich sassen wir mit Freunden zusammen beim gemütlichen Raclette – ja, das geht imfall auch bei 30 Grad. Nach dem Apéro und vor dem Käse war ich Versuchskaninchen für einen Party- beziehungsweise Zaubertrick. Ich verrate hier natürlich nicht alles, aber darum gings: Mir wurden Fragen gestellt, ich durfte dabei lügen oder die Wahrheit sagen, wofür ich mich entschied, blieb aber geheim. Mein Gegenüber wiederum versuchte dann, aufgrund meiner Antworten – Lüge oder Wahrheit – die Lösung zu erraten. Und dann kam die Magie: Mein Gegenüber erriet jedes Mal richtig.
Wir rätselten und rechneten, schickten Gleichungen und andere mathematischen Anstrengungen durch unsere Hirnwindungen, waren schon versucht, Papier und Stift zu holen um das Ganze schematisch darzustellen – doch der Trick liess sich nicht durchschauen. Mein Mann, im Gegensatz zu mir kann er ganz wunderbar mit Zahlen, schlug den logischen Weg ein. Ich wiederum versuchte es eher auf der kreativen out-of-the-box-Schiene… beides mit mässigem Erfolg. Schliesslich, und weil alle langsam Hunger bekamen, erhielten wir einen Tipp: Es gibt auch einen philosophischen Ansatz, der die Sache aufklären könnte. Alles klar – und während der Käse in der Küche langsam zu schwitzen anfing, tauchten wir ab in philosophische Weltanschauungen, diskutierten hin und her und hätten um ein Haar die Lösung für alles gefunden – bloss nicht für das eine Problem, das uns beschäftigte. Mit viel Unterstützung und ja, vielleicht noch dem einen oder anderen zusätzliche Tipp, dann doch noch der Durchbruch: Wer die Fragen stellt, geht einfach grundsätzlich davon aus, dass der Mensch gegenüber die Wahrheit sagt. Durch die geschickt formulierten Fragen kommt man so immer auf die richtige Lösung.
Ha! Wie einfach – und wie nicht einfach, wiederum. Wer glaub schon immer an das Gute im Menschen? Andererseits. Es kann sich auszahlen, einfach mal vom besten Fall auszugehen – ich glaube fast, mit dieser Philosophie lässt sich noch viel mehr gewinnen als dieser Trick. Darauf einen geschmolzenen Käse – en Guete!
Sibylle Ambs ist selbständige Texterin und Journalistin.