Markus Knauss
Jetzt haben uns die Autofreund*innen bei der Abstimmung über das Strassengesetz wieder einmal gezeigt, wer auf den Stadtzürcher Strassen das Sagen hat. Zürich hatte es gewagt, mit Tempo 30 ihre Bewohnerinnen und Bewohner auch an Hauptstrassen vor Verkehrsgefahren zu schützen. Damit konnte nach rund 40 Jahren auch ein Auftrag des Bundesrates endlich umgesetzt werden, die Bevölkerung vor übermässigem Lärm zu schützen.
Weil das der Autolobby nicht passt, wird Zack eine Initiative lanciert. Denn, wer sich dem Tempodiktat nicht beugen will, muss zur Räson gebracht werden. Bürgerliche Parteien und die Autoverbände TCS und ACS haben durchgesetzt, dass wieder geblocht werden darf; in Zürich. Schulwege egal, Wohnquartiere egal, die Gesundheit der Menschen egal – der Lebensraum Stadt verengt auf einen Blick durch die Windschutzscheibe.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) hat eine klare Haltung zur Geschwindigkeit innerorts, «Tempo 30 rettet Leben». Mit Tempo 30 ist es jetzt erst mal vorbei, es gilt wieder das Recht des Stärkeren auf der Strasse. Das hindert die BfU jedoch nicht daran, einem dieser Automobilverbände, dem TCS, eine Kampagne mit dem Slogan «Tempo anpassen» zu finanzieren. Immerhin ist jetzt auch klar, was das bedeutet – Tempo anpassen, nach oben.
«Eine neue Ära der Fahrfreude» läutet eine Automarke ein. Sie bewirbt eine Mischung aus Panzer und Rennboliden (elektrisch, 2.85 t schwer, von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sek., Spitzengeschwindigkeit 210 km/h) auf einem Tram der VBZ. Denn merke, auch wenn die Stadt per Volksentscheid das Klimaziel Netto-Null bis 2040 ausgerufen hat, müssen es stadteigene Betriebe mit dem Klimaschutz nicht so genau nehmen.
Allein die Produktion der Autobatterie dieses Gefährts verbraucht mehr als 20 t CO2. Bei Neuwagen, die mit Benzin betrieben werden, müsste man über 200 000 km fahren, bis eine positive Klimabilanz erreicht wird. «Klimaschutz abgeschafft», wäre also der treffende Werbespruch.
61% der Stadtzürcher Haushalte verfügen über kein Auto und 125 000 Menschen in der Stadt Zürich leben an Strassen, die gemäss Vorgabe der bundesrätlichen Lärmschutzverordnung zu viel Lärm haben.
Irgendetwas läuft da grad ziemlich falsch.
Markus Knauss, Gemeinderat Grüne
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S. Dietschi am 21.01.2026 13:04:21 Beitrag melden
sicher weniger tragisch als hier beschrieben
"Mit Tempo 30 ist es jetzt erst mal vorbei, es gilt wieder das Recht des Stärkeren auf der Strasse." --> kaum, denn die bestehenden Zonen behalten das Tempolimit bei. Nachdem ich seit den 80er-Jahren in Zürich wohne, sehe ich das Ganze deutlich optimistischer. An einigen Orten wurde der Zenit auch deutlich überschritten (Verbote etc.). Der Lärm ist mit der Elektromobilität auch weniger ein Thema
S. Dietschi antworten