Andreas Honegger
Wir sehnen uns im Winter zwar den Frühling herbei, aber wir möchten auch gern, dass wieder einmal richtig Schnee und Eis herrschen. In diesem Jahr ist das bis jetzt recht gut aneinander vorbei gegangen: Vergangene Woche lag erst eine kleine Schicht Schnee im Garten. Plötzlich aber erkannte man über dem tauenden Schnee die kleinen weissen Blütenknöpfe der Schneeglöckchen: genau so muss es sein, die hübschen kleinen Vertreter der Amaryllisgewächse haben wegen ihrer Tendenz, den Schnee zu durchbrechen ihren Namen bekommen. Sie sind in der Schweiz einheimisch und können ganze Wiesen verzaubern.
Aber sie sind nicht die einzigen Vorboten des Frühlings. Seit Tagen schon reckt die Mahonia x media «Winter Sun» ihre hellgelben Blüten über die stachligen Rosetten ihrer Blätter hervor, sicher abgestützt durch die Äste der benachbarten Bäume. Sie ist das pure Gegenteil der kleinen Schneeglöckchen denn sie ist mittlerweile vier Meter hoch geworden. Und an der Hausmauer, wo der Frost nicht so empfindlich spürbar ist, kann man erste Blumen der Winterblüte (Chiamonantus praecox) entdecken. Sie wirken wie aus Glas im Winterfrost, zartgelb und sehr fragil, aber an jedem Wintertag öffnen sich mehr.
Genauso verborgen sind die ersten Blüten der Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima), sie sind strahlend weiss, aber man erkennt beide sofort an ihrem wunderbaren Duft. Weil noch wenige Hummeln und Wildbienen unterwegs sind, müssen die frühblühenden Pflanzen die Insekten mit bezauberndem Parfum anlocken.
Duft ist auch die Spezialität der Fleischbeere (Sarcococca confusa), des Winterschneeballs (Viburnum bodnantense ‘Deben’), des nepalesischen Papier-Seidelbast (Daphne bholua ‘Jacqueline Postill’), und der diversen Formen der Zaubernuss (Hamamelis): Das Parfum ist bezaubernd und es begleitet uns von jetzt an wochenlang, weshalb die Gärtner eindringlich raten, die Sträucher nahe bei Fenstern und Türen zu setzen.
Andreas Honegger,
Journalist & Alt-Kantonsrat