Min Li Marti, Verlegerin und SP-Nationalrätin.
Im Moment ist Wahlkampf. Und wir hören zwei vollkommen unterschiedliche Erzählungen der gleichen Stadt. Die eine Stadt ist erfolgreich, schneidet in internationalen Rankings gut ab, hat eine hohe Lebensqualität, ist finanziell gut aufgestellt und kann sich einiges leisten und hat zufriedene Bewohnerinnen und Bewohner. Die andere Stadt ist wohl das genaue Gegenteil, voller Kriminalität und Korruption, eine Stadt, in der alles verhindert wird, die befreit werden muss, eine Luxus-DDR, wie ein «NZZ»-Journalist schreibt. Die beiden Erzählungen sind so unterschiedlich, dass man kaum glauben kann, dass es sich um die gleiche Stadt handelt.
Nun ist der Wahlkampf selten der Moment für Nuancen und Zwischentöne, die es in der Politik und im Leben sonst braucht. Es ist offensichtlich, dass die Stadt Zürich erfolgreich ist und es ist genauso offensichtlich, dass dieser Erfolg auch Schattenseiten mit sich bringt. Es wurden Fehler gemacht und es werden auch in Zukunft Fehler gemacht werden, egal wer künftig im Stadt- und Gemeinderat Einsitz nehmen wird.
Dennoch zeigt der Wahlkampf auf, worum es den einzelnen Parteien im Kern geht. Dabei geht es weniger um Wahlplattformen, Broschüren oder Slogans, die häufig recht unkonkret bleiben. Aber sie zeigen, welche Menschen und welche Themen, welche Werte und welche Prioritäten sie setzen. Meine Wahl ist dabei klar: Ich will eine Stadt, die weiterhin erfolgreich bleibt, aber auch jene nicht vergisst, die auf der Schattenseite stehen. Ich will ein Stadt, die fortschrittliche Lösungen erprobt, die auch über die Stadtgrenzen heraus ein Vorbild sein können. Eine Stadt, die mutig ist und Haltung zeigt, in einer Zeit, in der einst als selbstverständlich geglaubte Werte und Institutionen in Frage gestellt werden. Eine Stadt, die frei bleibt und nicht befreit werden muss. Ich werde links wählen. Welche Stadt wollen Sie? Sie entscheiden am 8. März.
Min Li Marti, Verlegerin
und SP-Nationalrätin