Markus Knauss
Das Schöne an einer Nichtwahl ist ja, dass mir im Nachhinein eine gran-diose Welle der Wertschätzung entgegengebracht wird.
«Damit verlieren die Grünen ihren wohl profiliertesten Verkehrsstrategen, der Zürcher Gemeinderat einen seiner erfahrensten Parlamentarier und die Autolobby einen ihrer härtesten Widersacher» (Martin Huber, «Tages-Anzeiger»).
«Knauss war nicht nur der bekann-teste, sondern auch der mächtigste Gemeinderat Zürichs, er trieb nicht nur die Grünen, sondern auch die ganze Linke mit seiner (Velo-)Vision vor sich her» (Matthias Ackert, «Tagblatt der Stadt Zürich»).
«Wohl kein anderer Parlamentarier kennt sich in der Verkehrspolitik so gut aus wie er, kaum einer ist einflussreicher» (Daniel Fritzsche, «NZZ»).
Die Politik, die ich konsequent und mit all meiner Energie vertreten habe, wurde offenbar von vielen Menschen in dieser Stadt geschätzt. In meinem Wahlkreis 4 und 5 wurden zum Beispiel die Richtpläne für mehr Velo und mehr Grün mit weit über 70 Prozent angenommen. Es waren meine persönlichen Beiträge im Gemeinderat – gegen den mutlosen Stadtrat –, die für flächendeckend mehr Tempo 30, für die Velovorzugsrouten in der ganzen Stadt und für elf neue Grünanlagen allein in den Kreisen 4 und 5 sorgten und so auch eine Mehrheit in der ganzen Stadt fanden.
Allerdings war meine lange Verweildauer im Gemeinderat wahrscheinlich eher zufällig. Vier Mal wurde ich bei Wahlen von Frauen überholt – da half auch unsere persönliche, gemeinsame Familien- und Erwerbsarbeit über 40 Jahre nicht, die Wählerinnen und Wähler von fortschrittlich gelebter Gleichberechtigung zu überzeugen.
Und: Je erfolgreicher meine grüne Politik war, desto schlechter waren meine Wahlresultate. Wurde meine Politik zur allgemeinen Selbstverständlichkeit? Zählen persönliche Leistung und Erfolge also nichts mehr? Haben grüne Wählerinnen und Wähler einfach wahllos gestrichen – vor allem fortschrittliche Männer und damit auch mich? Fragen über Fragen.
Allen in der Stadt Zürich, die meine grüne Politik so tatkräftig über Jahrzehnte unterstützt haben: herzlichen Dank.
Markus Knauss, Gemeinderat Grüne