Andri Silberschmidt, Unternehmer und FDP-Nationalrat. Bild: PD
Die Wohnungsknappheit beschäftigt viele Menschen im Kanton Zürich. Pro Kopf werden heute so wenig Wohnungen gebaut wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Diese historisch tiefe Bautätigkeit hat Auswirkungen auf die Wohnungspreise als auch auf die Mieten. Anstatt die Wohnungsknappheit zu lindern, verschärfen die beiden Wohn-Initiativen, die am 14. Juni zur Abstimmung kommen, die Situation.
Die Wohnschutz-Initiative will Gemeinden das Recht einräumen, Abbrüche, Umbauten und Renovationen einer Bewilligungspflicht zu unterstellen sowie einen Mietendeckel einzuführen. Die Wohnungsinitiative fordert ihrerseits eine kantonale Wohnbaugesellschaft, die mit einem Startkapital von 500 Millionen Franken in den Wohnungsmarkt eingreifen soll. Wohnraum entsteht aber nicht durch Vorschriften und neue staatliche Akteure, sondern durch pri-vate Investitionen und eine gesteigerte Bautätigkeit.
Eine Studie von Swiss Economics zeigt anhand der Beispiele Basel-Stadt und Genf, die beide stark regulierte Wohnungsmärkte haben, deutlich, was mehr staatliche Eingriffe und neue Auflagen für den Kanton Zürich bedeuten würden: ein jährlicher Rückgang der Investitionen um rund 500 Millionen Franken. Das ist kein Zufall, sondern die Folge falscher Anreize. Wenn sich Investitionen nicht mehr lohnen, wird weniger gebaut und saniert. Hier liegt das Paradox der Wohn-Initiativen: Sie treffen ausgerechnet jene, die sie eigentlich schützen wollen. Zwar würden bestehende Mieter kurzfristig profitieren. Für alle anderen verschärft sich die Situation: Durch die zusätzliche Verknappung gibt es weniger Angebot. Die Preise steigen weiter. Zudem nimmt die Qualität des Gebäudebestands ab. Ohne regelmässige Sanierungen verlottern Wohnungen zusehends.
Die Lösung liegt woanders. Es braucht bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau. Schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und gezielte Verdichtung dort, wo sie sinnvoll ist. Das schafft zusätzlichen Wohnraum und entlastet den Wohnungsmarkt. Wer etwas gegen die Wohnungsknappheit tun will, muss den Bau fördern statt blockieren. Mit attraktiven Rahmenbedingungen für Investitionen und einem klaren Nein zu den beiden Initiativen.
Andri Silberschmidt,
Unternehmer und FDP-Nationalrat