Patrick Schwarzenbach ist Pfarrer in der Offenen Kirche St. Jakob. Bild: Lukas Bärlocher
DEUS VULT! So stand es auf den Bannern und Rüstungen der Kreuzritter – so schrien sie es, wenn sie von ihren mittelalterlichen Städten und Höfen loszogen. GOTT WILL ES! Gemeint war die lange Reise bis nach Jerusalem und dann der grosse Kampf gegen die Sarazenen – das, was wir bis heute als die Kreuzzüge kennen.
Diese Menschen, schienen damals sehr klar zu wissen, was Gott will. Mit innigster Überzeugung zogen sie in die Schlacht – im Namen des Evangeliums, im Namen der göttlichen Liebe.
Damals schon schrecklich – heute völlig unverständlich, wenn aus dem amerikanischen Kriegsministerium mittelalterliche Reden kommen, von einem Mann, der sich Kreuze und DEUS VULT auf die Brust tätowieren liess, von einem Mann, der in sonorem Ton verkündigt, dieser Krieg in der Wüste, sei der Wille Gottes. Dazu zitiert er Rachepsalmen und lässt für seine gepanzerten Krieger beten.
Da muss ein schreckliches Missverständnis vorliegen. Denn als man damals einen eindrücklich sanften Menschen aus Nazareth fragte, was denn der Wille Gottes sei, antwortete dieser nicht mit Säbelrasseln und Kriegsgeheul. Nein, er erzählte eine Geschichte von einem Menschen, der einem andern liebevoll half, obwohl sie weder dieselbe Religion hatten noch aus demselben Land kamen. Und wie um seine Aussage noch zu unterstreichen – um wirklich sicher zu gehen, dass man ihn nachher nicht falsch oder bewusst missverstehen konnte – sagte er die einfachen und klaren Worte: «Liebet Eure Nächsten wie Euch selbst.» Und: «Seelig sind die Friedfertigen.»
Kaum zu glauben, dass man diese Worte so falsch verstehen kann – dafür umso offensichtlicher, wessen Wille sich hier zeigt.
Patrick Schwarzenbach ist Pfarrer
in der Offenen Citykirche St. Jakob