Andreas Honegger
Tatsächlich haben wir in diesem Jahr das, was wir lange vermissten: Einen klassischen Sommer mit heissen Tagen und lauen Nächten, den sich einst Rudi Carrell herbeiwünschte. Die Rede ist nun aber weit weniger vom schönen Sommer sondern vom Wärmestau in den Städten und einer Hitze, die einen erschöpft und kaum Schlafen lässt. Eine Hitzeperiode folgt auf die andere. Wenn man will und kann, lässt sich diesen Sommertagen und -nächten aber durchaus Positives abgewinnen: Die Seen und die Flüsse haben sich schnell erwärmt, die Terrassen und Gartenrestaurants sind voll und die Kleider locker.
Menschen können sich anpassen, Haustiere verkriechen sich in kühle Winkel, aber die Pflanzen als verwurzelte Lebewesen sind standortgebunden und können sich nicht fortbewegen. Sie haben zwar auch ihre
Techniken um sich zu schützen, sie können beispielsweise das Verdunsten einschränken, aber ansonsten sind
sie auf die Wassergaben der Menschen angewiesen. Sie revanchieren sich dafür mit schönen Blüten und duftenden Früchten. Und die Bäume bieten ihr Blätterdach, um uns Schatten zu spenden.
Derzeit werden viele Möglichkeiten aufgezeigt, um den Garten- und Balkonpflanzen heil über Ferienabwesenheiten hinweg zu helfen. Das geht von komplizierten Bewässerungsanlagen über die liebe Nachbarin, die daheim bleibt, bis zu mehr oder weniger raffinierten Tricks: Ein Plastiksack voll Wasser, der mit zwei, drei Nadelstichen versehen wurde, teilt den Topf mit einer Pflanze. Oder man gräbt ein mit Wasser gefülltes Tongefäss ein, das langsam aber lange Wasser diffundieren lässt. Oder aber man spart sich Ideen und Kosten und hofft, dass doch irgendwann wieder eine Regenperiode kommt. Kein Sommer dauert ewig. Gewiefte Gärtner wissen, dass sich Teich- und Sumpfpflanzen am besten durch die Sommerhitze bringen lassen. Sie leben immer schon im Wasser, dem Element, dass alle anderen Gewächse im Sommer vermissen.
Andreas Honegger,
Journalist und Alt-Kantonsrat