Min Li Marti, Verlegerin und SP-Nationalrätin.
Vielleicht ist sie mittlerweile gekommen, wenn Sie diese Zeilen lesen,
liebe Leserin, lieber Leser. Die heissersehnte Abkühlung. Während ich diese Zeilen tippe, ist die Hitzewelle noch voll spürbar. Die rekordhohen Temperaturen sind nicht nur unangenehm, sie sind im schlimmsten Fall auch tödlich. Europaweit sollen 31 800 Menschen wegen der Hitze gestorben sein, in der Schweiz waren es 357, berichtete die «NZZ» jüngst.
Vor kurzem berichtet der «Tages-Anzeiger», dass die Spitäler in der Kardiologie überlastet sind, weil die Menschen wegen der Hitze vermehrt Herz- und Kreislaufprobleme hätten.
Vor etwas mehr als einem Jahr hatten die Klimaseniorinnen einen historischen Sieg vor dem Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte erreicht. Das Gericht urteilte, dass die Klimaseniorinnen klageberechtigt
seien, weil ältere Menschen und insbesondere Frauen, speziell von der Klimaerwärmung betroffen sind. Und es kam auch zum Schluss, dass die Schweiz zu wenig für den Klimaschutz unternehme. Das Urteil führte zu grossen Diskussionen und auch grosser Empörung, gerade im Parlament. Die Schweiz tue genug für den Klimaschutz, hiess es. Die Einmischung sei ungebührlich.
Natürlich kann die Schweiz die Klimaproblematik nicht allein lösen, aber sie hat sich immerhin verpflichtet im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens und mit dem Klimaschutzgesetz, bis 2050 klimaneutral zu
werden. Bundesrat Rösti kündigte kürzlich an, dass die Schweiz wegen Sparmassnahmen die Zwischenziele für 2030 nicht erreichen werden.
«Trop chaud» – zu heiss, ist der Titel des Dokumentarfilms von Benjamin Weiss, der Gerichtsprozess der Klimaseniorinnen filmisch begleitet hat und letztes Jahr erschienen ist. Er stiess damals – es war ein eher
trüber Sommer – auf mässiges Interesse. Der Film ist übrigens auf Playsuisse, der Streamingplattform von SRF, gratis verfügbar. Auch wenn die Abkühlung kommt, wird das Thema heiss bleiben.
Min Li Marti,
Verlegerin und SP-Nationalrätin