Wir haben hier schon lange nicht mehr über richtig harte Kost gesprochen. Heute tun wir es mal wieder. Weil es mir schon kalt den Rücken herunter lief, als ich neulich die neue Folge von Jonathan Schächters Podcast «Spaghetti mit Ketchup und Chäs» höre. Zu Gast ist Joel Basman (gr. Bild). Von Joel halte ich grosse Stücke. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, dass ich behaupte, der 35-Jährige ist wohl der talentierteste Schauspieler hierzulande. Joel kennen wir aus Filmen wie «Sennnentunschi», «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» oder «Cannabis – Studieren geht über Probieren». Letzteres war Basmans erster Film. Er stammt aus dem Jahr 2006.
Wie ironisch es ist, dass Basmans erste Rolle mit Marihuana zu tun hat, erfahren wir im Podcast. Wo der Zürcher mit jüdischen Wurzeln frei und hemmungslos eine Drogenbeichte ablegt. Und darüber redet, dass er seit Jahren keine Rolle mehr angeboten bekommen hat. Deswegen sogar bei der Securitas anheuern musste. «Ich weiss nicht, wie ich sonst hätte meine Miete zahlen sollen.» Für Basman kein Scheitern. Viel mehr eine wichtige Erfahrung in seinem Leben. Über 20 Jahre habe er am Stück gearbeitet, sich nie gefragt, was das alles mit ihm macht. Was er will. Welche Rolle was in ihm auslöst. Und dazwischen stets der Rausch, die Abstürze, die Drogen. Heute noch hegt Joel, der im Kreis 4 aufgewachsen ist, eine Faszination für den Exzess. Nur geht er jetzt etwas anders damit um. Basman wagt ein Comeback. Ab Februar sehen wir ihn statt auf der Leinwand auf der Theaterbühne. Wo er in einem Solo die Junkie-Frau Sonja spielt. Und dabei ihre Lebensgeschichte erzählt. Ohne dass ich mehr darüber weiss, weiss ich: Das wird brillant. Joel ist brillant. Ein Genie zwischen Brillanz und Wahnsinn. Dieser Mix ist es, der die Bühnen unseres Landes brauchen.
Text: Maja Zivadinovic
Bilder: MZ/Screenshot Youtube