Michael Baumer
Wenn ein Schwan auf der Zürcher Quaibrücke sitzt, hat das Auswirkungen bis nach Altstetten. Denn dann kommt die VBZ-Leitstelle zum Einsatz. Die Quaibrücke wird für den Verkehr gesperrt und eine Fachperson der Seepolizei begleitet den Schwan wieder zurück ins Wasser. Eigentlich ein schönes Bild, denn hier stoppt für einmal ein friedliches und beschauliches Zwischenereignis den Verkehrsfluss.
Beachtliche 100 000-mal pro Jahr ist der Einsatz der VBZ-Leitstelle gefragt. Auslöser sind Grossanlässe wie die Street Parade, an der bald wieder Tausende ravend durch die Innenstadt ziehen, Unfälle, Verkehrsüberlastung, Baustellen oder eben ein Schwan auf der Quaibrücke. Ich finde es faszinierend, wie ein kleines Team von 22 Personen von vier Uhr morgens bis zwei Uhr nachts in der Leitstelle den gesamten ÖV-Betrieb der Stadt sowie 18 umliegender Gemeinden verfolgt. Wenn gleichzeitig bis zu 400 Trams und Busse in Zürich unterwegs sind, braucht es eine Instanz, die alles im Griff hat. Ohne sie würde bald mal Chaos ausbrechen auf einem der dichtesten ÖV-Netze der Schweiz.
Es geschieht viel hinter den Kulissen des ÖV-Betriebs, damit die Fahrgäste sicher und pünktlich an ihr Ziel kommen. Und die Anweisungen der Leitstelle ans Fahrpersonal können durchaus hemdsärmelig sein. Zum Beispiel, wenn Waren vom vorausfahrenden Lastwagen auf die Strasse fallen und den Weg blockieren. Dann packt der Chauffeur wenn möglich direkt mit an, damit die Fahrbahn schnell wieder frei ist und der Verkehr nicht umgeleitet werden muss.
Apropos Umleitungen: Beim aktuellen Umbau des Kreuzplatzes wird ein zusätzliches Gleis gebaut, damit das Tram bei Störungen im Raum Stadelhofen direkt nach Rehalp abbiegen und das Zentrum umfahren kann. So gewinnt der ÖV künftig bei Ereignissen im Zentrum mehr Flexibilität zum Ausweichen. Und die Leitstelle hat den ÖV-Betrieb noch besser im Griff.
Stadtrat Michael Baumer, Departement der Industriellen Betriebe