Daniel Leupi
Als mein Sohn acht Jahre alt war, wollte er unbedingt einmal an einem Tag mit dem Velo 100 Kilometer weit fahren. Ich überlegte mir eine Strecke mit vielen Abschnitten, die abwärtsführten und plante dazwischen Aufstiege mit der Bahn ein. Wir starteten am morgen früh in Göschenen und am Abend zeigte sein Tacho – nach dreimal um den Bahnhofsplatz von Rotkreuz kurven – genau 100 Kilometer an. Grosser Stolz!
Als er Mitte Zwanzig war, wiederholten wir die Tour. Unterwegs genehmigten wir uns ein Bad in Seelisberg. Als ich aus dem See stieg, sprang mir am sonst total sauberen Ufer ein Teil eines alten Joghurtbechers ins Auge. Ich traute meinen Augen nicht, aber tatsächlich: Es war ein Becher, wie er in den siebziger Jahren gebräuchlich war: dicker Plastik, weiss, einfarbiger Aufdruck.
So einen Becher hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen. Dass Plastik nicht verrottet und quasi ewig hält, das wissen wir ja. Trotzdem war ich verblüfft, ein solches Relikt zu sehen. Welchen Weg hat der Becher wohl zurückgelegt, dass er nun genau hier liegt? Fünfzig Jahre nach seiner Nutzung! Und wo ist der Rest gelandet? Ordentlich im Abfall oder liegt er auf dem Seegrund? Und wenn ein Joghurtbecher ein halbes Jahrhundert überdauert, wie entsetzlich ist dann die Situation in den Weltmeeren? Dort haben sich gemäss WWF bereits 19 Millionen Tonnen Plastik angesammelt, zum grossen Schaden für die Tierwelt. Letzte Woche tagte eine internationale Konferenz, um das Problem einzudämmen. Ein Abkommen ist leider nicht zustande gekommen.
P.S. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Bundes- und Regierungsrat Sans-Papiers regularisieren sollten.
Stadtrat Daniel Leupi, Finanzdepartement