Karin Rykart
Dass ich eine begeisterte Velofahrerin bin, habe ich an dieser Stelle auch schon erwähnt. Nicht nur im Alltag bin ich auf zwei Rädern unterwegs, auch in den Ferien geniesse ich es, mit dem Velo andere Länder und Städte zu «er-fahren». Diesen Sommer hat mich meine Leidenschaft in den hohen Norden geführt: Von Oslo quer durchs Land an die Westküste und zurück.
Die Eindrücke, die ich jeweils mitnehme, bringen es mit sich, dass ich nach den Ferien die Velowelten vergleiche – vor allem diejenigen in den Städten. Oslo mit Zürich zu vergleichen, ist aber gar nicht so einfach. Eine Gemeinsamkeit gibt es: Es wurde viel in die Infrastruktur und in die Sicherheit investiert. Es ist heute in beiden Städten ein Stück sicherer, auf zwei Rädern unterwegs zu sein als noch vor ein paar Jahren. Dort hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Die Hauptstadt Norwegens hat ganz andere Voraussetzungen. Die Platzverhältnisse sind um einiges grosszügiger als hier. Das zeigt sich an den häufig von den Strassen abgetrennten Velowegen. Das ist sicher mit ein Grund, warum mir das Velofahren in der Stadt so entspannt vorgekommen ist. Und ich nehme an, dass in der Ferienzeit auch dort alle Verkehrsteilnehmer*innen etwas weniger gestresst unterwegs waren als sonst.
Was mir aber auch ausserhalb der Hauptstadt aufgefallen ist: Auto- und Lastwagenfahrer*innen sind unglaublich rücksichtsvoll. Sie umfahren schwächere Verkehrsteilnehmer*innen langsam und mit viel Abstand. Auch Velofahrer*innen geben acht auf andere. Es ist bemerkenswert: Auf Norwegens Strassen herrscht eine gewisse nordische Gelassenheit.
Nun sind meine Ferien vorbei, und ich radle wieder durch Zürich. Hier ist das Verkehrsklima ganz anders. Velofahrer*innen teilen sich die Spur mit Autos, Trams oder Bussen. Alles ist hektischer und enger. Die Stimmung bleibt nicht immer freundlich. Bei allem Verständnis denke ich dann und wann: Ein bisschen mehr nordische Gelassenheit würde ich mir auch für unsere Stadt wünschen.
Stadträtin Karin Rykart, Sicherheitsdepartement