Von Kopf bis Fuss auf Wirkung eingestellt
Von Statussymbolen über politische Statements bis hin zu individuellen Stilbotschaften: Das Landesmuseum Zürich widmet sich in seiner aktuellen Ausstellung den Accessoires. - JS/RED
Von Statussymbolen über politische Statements bis hin zu individuellen Stilbotschaften: Das Landesmuseum Zürich widmet sich in seiner aktuellen Ausstellung den Accessoires. - JS/RED
Auch Schuhe können als Accessoires ein Stück Weltgeschichte erzählen. Einerseits sind sie Mittel zur Selbstinszenierung, andererseits tragen die Füsse immer auch eine gesellschaftliche oder mitunter sogar eine politische Botschaft mit. Legendär wurden zum Beispiel die roten Turnschuhe mit Schweizerkreuz, mit denen 2003 die damalige Bundesrätin Micheline Calmy-Rey die Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea überschritt.
Aktuell widmet sich das Landesmuseum Zürich mit der neuen Ausstellung «Accessoires – Objekte der Begierde» der Kulturgeschichte von Kopf bis Fuss. Gezeigt werden über 200 Objekte aus vier Jahrhunderten. Wie heute waren Accessoires auch früher weit mehr als blosses Zubehör, sondern schmückende Objekte voller Botschaften und Bedeutungen. Die Schau präsentiert kunstvoll gestaltete Hüte, luxuriöse Schals, elegante Spazierstöcke, extravagante Taschen, filigrane Fächer und sinnliche Schuhe aus der umfangreichen Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums.
Kopfbedeckungen wie das samtene Barett eines Berner Ratsherrn aus dem frühen 18. Jahrhundert, Kindertaufhäubchen oder ein prachtvolles Schappel – ein reifenförmiger «Kopfputz» – aus dem Kanton Schaffhausen zeigen, wie Kopfbedeckungen als Zeichen von Stand, regionaler Identität oder gesellschaftlicher Ausgrenzung fungierten. Moderne Beispiele wie der pinke «Pussyhat» illustrieren, wie Kopfbedeckungen auch heute noch politische Statements setzen.
Accessoires werden auch in den Händen gehalten. Wer früher nicht arbeitete, hatte die Hände frei für Taschen, Fächer, Schirme oder Spazierstöcke. Viele dieser Dinge hatten Funktionen, die heute vergessen sind. So zum Beispiel ein kunstvoll gearbeiteter Stock aus Zürich mit silbernem Rocaillen-Knauf, der für die repräsentative Selbstdarstellung wohlhabender Herren beim Flanieren steht.
Bei den Herrenschuhen wiederum kam es in den 1970er-Jahren zu einer Rückkehr des Absatzes, auf den Tanzflächen der Discos waren Plateausohlen fast schon ein Muss. Der Zeitgeist verlangte eine «Tendenz zur Höhe». Omnipräsent ist heute der Turnschuh, der sich in den 1980er-Jahren vom Sport- zum Freizeitschuh für beide Geschlechter wandelte. Auch Nemo hat es in die Ausstellung im Landesmuseum geschafft. Zu sehen sind Nemos Turnschuhe mit Tüllverzierungen, getragen am Eurovision Song Contest 2024. Der Turnschuh wurde so zum non-binären Accessoire, Geschlechternormen wurden aufgebrochen.
Schliesslich setzen sich Kurzfilme des Studiengangs «Major Trends & Identity» der Zürcher Hochschule der Künste mit der heutigen Vielfalt und Relevanz von Accessoires auseinander und fragen, wie Accessoires das Körperbild in der Gegenwart prägen.
Begleitend zur Ausstellung finden unter anderem auch Workshops für Familien und Kinder statt. Darüber hinaus bietet das Rahmenprogramm auch Führungen mit Expertinnen und Experten an, etwa zu Strohhüten aus dem Aargau oder zu Faltfächern als interaktive Kunstobjekte.
Weitere Informationen:
«Accessoires – Objekte der Begierde», noch bis 12.4.2026 im Landesmuseum Zürich
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