Eine Perle in der Glitzerwelt
Als Model tauchte die karibischstämmige Zürcherin Pearl Baeni in die Gesellschaft der Prominenten ein. Als Fotografin will sie sie nun ins beste Licht rücken. - Von Sacha Beuth
Als Model tauchte die karibischstämmige Zürcherin Pearl Baeni in die Gesellschaft der Prominenten ein. Als Fotografin will sie sie nun ins beste Licht rücken. - Von Sacha Beuth
Es ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her, doch die Teilnahme an einem Miss-Karibik-Wettbewerb in den USA wird Pearl Baeni dennoch nie vergessen. Nicht weil sie damals den dritten Platz belegte. Vielmehr, weil in der Jury der selbsternannte «Grösste aller Zeiten», der Boxstar Muhammad Ali, war, der nach dem Event die ganze Teilnehmerschaft kurzerhand zu sich nach Hause einlud. «Da fühlt man sich geschmeichelt. Und natürlich nutzte ich die Chance für ein Foto als Erinnerung».
Die Episode ist denn auch einer der Momente, die das Interesse für Fotografie bei Pearl Baeni wecken. Zu diesem Zeitpunkt steht sie allerdings vorab noch vor der Kameralinse statt dahinter. Als Model hat sie in New York hingegen bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Doch eigentlich will die junge Frau, die 1951 in Aruba zur Welt kam und in Grenada und England aufwuchs, ehe sie mit 10 Jahren mit Eltern und Geschwistern nach Brooklyn zog, Modedesignerin werden. Ein entsprechendes Studium hat sie begonnen, der Modeljob sorgt für das Auskommen.
Für einen Auftrag in Paris macht Baeni 1981 einen Zwischenstopp in Zürich und lernt dort in einem Klub ihren künftigen Schweizer Ehemann kennen, bricht ihre Zelte in den USA ab und zieht nach Adliswil. 1982 wird geheiratet und noch im gleichen Jahr kommt ihr Sohn zur Welt. Das Modeln hängt sie an den Nagel. Dafür verstärkt sich ihr Faible für Fotografie. Sie belegt einen Anfänger-Workshop und kann bald darauf dank ihren Geschäftskontakten für eine Agentur Bilder von Modeschauen schiessen. Daneben engagiert sich Pearl Baeni ehrenamtlich in der Organisation «Treffpunkt Schwarze Frauen», die sich dem Kampf gegen Rassismus und der Gleichstellung der Geschlechter verschrieben hat und wird dafür 1997 von der Stadt Zürich mit dem Förderpreis für die Gleichstellung von Mann und Frau ausgezeichnet.
Privat ist ihr das Glück weniger hold. Ihre Ehe wird geschieden und sie zieht wieder in die Vereinigten Staaten, um ihren dort studierenden Sohn zu unterstützen. Erneut beginnt sie ein Studium, dieses Mal Journalismus, welches sie zwar ohne Diplom beendet, aber in Sachen Foto- und Filmtechnik weiterbringt. Für eine Zeitschrift geht sie an Sportveranstaltungen und andere Events, wird ebenso als Hochzeitsfotografin gebucht. Und wieder hilft der Zufall, als sie ein Bekannter bittet, doch für ihn an einer grossen Modeschau als Fotografin einzuspringen. Fortan produziert sie Bilder von Theatergalas und arbeitet regelmässig an der New York Fashion Week für diverse Magazine. Die Sujets reichen von Brooke Shields über Heidi Klum bis zur damaligen Vogue Chefredaktorin Anna Wintour.
2018 kehrt sie zurück nach Zürich. «Mein Sohn lebte seit ein paar Jahren wieder in der Schweiz und ich wollte wieder näher an meiner Familie sein». Beruflich muss Baeni allerdings erst wieder kleinere Brötchen backen. «Doch nachdem ich alte Kontakte aufgefrischt habe und an der Swiss Mode fotografieren konnte, ging es auch hier wieder aufwärts», erzählt Baeni. Inzwischen fotografiert sie für nationale und amerikanische Medien nicht nur Stars und Sternchen auf Filmfestivals wie denen in Locarno und Zürich, sondern deckt auch «Weltklasse Zürich» ab und reist zu Mode-events nach Mailand. Die Verbindungen zur Glitzerwelt in den USA hält sie ebenfalls aufrecht. So darf sie 2024 sogar an der Seite von Hollywoodstars William Baldwin und Michael Madsen im Film «South of Hope Street» eine kleine Rolle im Film sowie als Marketing-Fotografin übernehmen.
Nun freut sich Baeni auf ihre dritte Vernissage (siehe unten). «Mein Vorteil war und ist es, dass ich für meine Fotos von meinen Erfahrungen als Model profitieren kann. Ich weiss, wie ich sie ins rechte Licht rücken muss und möchte dies möglichst vielen Leuten zeigen.»
Im Rahmen des Bilderwelten Advent Events bei Ronald Stocker an der Waffenplatzsstr. 35 am Freitag, 12. 12., sind auch fotografischen Werke von Pearl Baeni zu sehen. 9 bis 21 Uhr. Anmeldung via Mobile 079 481 47 66.
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