Ein dickes Ding: Bruterfolg bei den Dickschnabelreihern
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Dickschnabelreiher. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Dickschnabelreiher. - Von Severin Dressen
Jetzt im Sommer können im Zoo an vielen Orten Jungtiere beobachtet werden. Manche wurden im Frühjahr geboren, manche erst kürzlich und einige Geburten stehen noch an. So auch im Masoala Regenwald. Dort schwimmen derzeit nicht nur zahlreiche Entenküken umher, auch in den Bäumen ist einiges los. Zwei Nester hat das Masoala-Team dabei besonders im Blick. Dort brüten zwei Dickschnabelreiher-Paare.
Erst im vergangenen Jahr sind fünf Tiere dieser stark bedrohten Art zu uns in den Zoo gezogen. Dass sie dieses Jahr bereits brüten, sorgt daher für grosse Freude. Innerhalb der EAZA, der Vereinigung der Europäischen Zoos und Aquarien, halten nur acht Zoos überhaupt diese Art – mit insgesamt rund 80 Tieren. Und nur an sehr wenigen Standorten haben die Vögel bisher gebrütet. Einer davon ist der Zoo Zürich. Umso bedeutsamer ist der Bruterfolg! Ganz ohne Drama wurde dieser allerdings nicht erzielt. Denn Dickschnabelreiher (Ardeola idae) fühlen sich ihrem Nachwuchs offenbar nicht sehr verpflichtet. Und so lebt ein Küken aktuell nicht mehr im Nest, sondern in einer Voliere innerhalb der Regenwaldhalle und wird dort von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern versorgt, bis es gänzlich eigenständig ist. Zum Zeitpunkt seiner Rettung war es bereits fast flügge und musste daher nicht mehr aktiv gefüttert werden, sondern frass bereits selbst. Das ist wichtig, denn Handaufzuchten lehnt der Zoo Zürich ab.
Nötig wurde die Aktion überhaupt erst, weil Unerwartetes passierte: Es leben zwei Weibchen und drei Männchen im Regenwald. Zwei Paare fanden sich und brüteten, ein Männchen ging leer aus. Das liess nicht locker und spannte einem der beiden erfolgreichen Männchen sozusagen die Frau aus. Und dass, nachdem dieses erste Paar bereits gebrütet und mit der Jungenaufzucht begonnen hatte. Das Weibchen verliess also das Gelege samt Küken und baute ein neues Nest mit dem anderen Männchen. Von den beiden zurückgelassenen Küken konnte nur das zuvor Erwähnte gerettet werden. Nun ist die Spannung gross, ob mit den beiden noch vorhandenen Gelegen alles gut geht. Bislang sieht es danach aus. Heute erhielt ich sogar die Nachricht, dass erneut Küken geschlüpft seien. Meine Daumen bleiben also gedrückt, denn Dickschnabelreiher sind in der Wildnis inzwischen sehr selten. Der Bestand wird auf nur noch 1000 bis 2000 Tiere geschätzt. Das grösste Problem – neben der teilweisen Bejagung – ist der Verlust von Brut- und Lebensraum durch die Umwandlung von Marschflächen in Reisfelder. Der Reiher überwintert auf dem afrikanischen Festland, brütet aber ausschliesslich auf Madagaskar und dem Aldabra-Atoll. Er zählt gar zu den am stärksten bedrohten Reiherarten überhaupt.
Sollten Sie im Masoala Regenwald nun Ausschau halten, suchen Sie Tiere mit weissem Federkleid und blauen Schnäbeln. Nach der Brutsaison setzen die Tiere dann wieder auf unscheinbares Braun. Auffallen ist auch für Dickschnabelreiher dann nicht mehr wichtig.
Weitere Informationen:
www.zoo.ch
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