Dem geheimen Menüplan der Katzen auf der Spur
Gemeinsam mit den Haltern wollen Forschende der ETH herausfinden, was Hauskatzen im urbanen Zürich fressen und wie gesund sie sind. Licht ins Dunkel bringen soll das Projekt «ZüriCats». - Von Sacha Beuth
Gemeinsam mit den Haltern wollen Forschende der ETH herausfinden, was Hauskatzen im urbanen Zürich fressen und wie gesund sie sind. Licht ins Dunkel bringen soll das Projekt «ZüriCats». - Von Sacha Beuth
Regenwürmer, Eidechsen, Vögel oder Spitzmäuse – wer seiner Katze Ausgang gewährt, ist oft erstaunt, wass diese alles als Zusatznahrung anschleppt. Vielen Naturschützern sind die Büsis denn auch ein Dorn im Auge, da sie angesichts des Jagderfolgs der umherschweifenden Hauskatzen um den Bestand gewisser Wildtierarten fürchten. Gerade in ländlichen Gebieten weisenUntersuchungen daraufhin, dass die Befürchtungen nicht unbegründet sind. Doch ist dies auch in urbanen Gebieten wie Zürich der Fall? Wie sieht überhaupt der Speiseplan der Stadtzürcher Büsis aus? Und wie gesund sind diese generell?
Diesen Fragen wollen Forschende der ETH Zürich um den Mikrobiologen Anton Lavrinienko nachgehen und haben darum «ZüriCats» ins Leben gerufen, ein sogenanntes Citizen-Science-Projekt, das von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam erarbeitet wurde. «Mitmachen können alle Katzenhalterinnen und -halter in Zürich, die bereit sind, uns eine Kotprobe und eine Fellprobe zu schicken sowie einen Fragebogen auszufüllen»,erklärt Stella Greuter, Ernährungswissenschaftlerin und Mitarbei-tende bei «ZüriCats». Hierzu muss man sich erst einmal über einen QR-Code (siehe Bilder, die Red.) oder online über die Website www.blogs.ethz.ch/zuricats anmelden. «Anschliessend nimmt dannjemand aus unserem Team mit dem Interessenten via Email Kontakt auf und erklärt die weiteren Schritte», so Greuter weiter.
Der Aufwand der teilnehmenden Halterinnen und Halter ist dabei überschaubar. «Das Ausfüllen des Fragebogens dauert etwa 20 Minuten.» Auch die anschliessende Entnahme der Kot- und der Fellprobe sei keine Hexerei. «Für ersterelassen wir der Halterin oder dem Halter dazu ein Set mit einen verschliessbarem Plastikröhrchen, Gummihandschuhen und einem Plastiksäckchen zukommen. Mit dem Röhrchen nimmt man den möglichst frischen Kot aus dem Katzenkistchen, verschliesst das Röhrchen, steckt es in das Plastiksäcken und stellt alles ins Gefrierfach, bis die Probe von uns abgeholt wird»,erklärt Greuter. Haltern von mehreren Katzen müssten darauf achten, dass die Probe klar zugeordnet werden könne.
Noch einfacher ist die Entnahme einer Fellprobe. «Mit dem von uns gestellten Spezialhandschuh über die Katze streicheln, bis genug Haare daran haften. Dann den Handschuh umgestülpt ausziehen und diesen in das ebenfalls zugesandte Plastiksäckchen stecken. Auch dieses wird von uns abgeholt.»
Nun sind die Forschenden von «ZüriCats» an der Reihe. Im Labor wird der Kot auf DNA-Spuren anderer Lebewesen untersucht. Alle Lebewesen haben in ihrem genetischen Code gemeinsame wie auch einzigartige Abschnitte. Während einem sogenannten PCR – bekannt aus Coronazeiten – werden spezifische Fragmente der DNA aus dem Kot vervielfältigt. Diese Vervielfältigung ist wichtig, damit eine maschinelle Sequenzierung erfolgen und so die Abfolge der Basen bestimmt werden kann. Jeder DNA-Strang weist eine individuelle Basenabfolge auf, die – sofern bekannt – einer bestimmten Spezies zugeordnet werden kann». Kurz: Welche Tier- oder Pflanzenart gefressen wurde.
Mit der gleichen Kotprobe wird nach potenziellen Krankheitser-regern gesucht und das jeweilige Darmmikrobiom erforscht. Darmmikrobiom? «Das ist eine Gemeinschaft von Mikroben, die im Darm der Katzen (und dem der allermeisten Tiere) vorkommen und für die Gesundheit essenziell sind. Gewisse Mikroben können unverdaute Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate verwerten und geben einen Teil der daraus gewonnenen Nährstoffe und Metaboliten (Stoffwechsel-Zwischen- oder Endprodukte) an den Wirt weiter», so Greuter. «Über die Fellprobe wird der Cortisolspiegel, sprich der Stresslevel, gemessen, wobei Stress wiederum Einfluss auf Darmmikrobiom hat». Die Analysen aus Kot und Fell lassen somit auch wichtige Rückschlüsse auf die allgemeine Gesundheit einer Katze zu. Doch bis eine Auswertung erfolgt, will «ZüriCats» erst noch weitere Proben sammeln. «Seit April sind rund 100 zusammengekommen. Wir brauchen aber mindestens doppelt so viele. Denn je mehr Proben, desto aussagekräftiger sind die Resultate. Darum sind wir um jede katzenhaltende Person dankbar, die mitmacht» betont Greuter.
Was für ein spannendes Projekt! Da mache ich direkt mit meinen zwei Büsis mit! Habe schon den QR-code gescannt und das Formular ausgefüllt!
MinizweiBüsis antwortenDas sieht nach einem coolen Projekt aus! Ich werde auf jeden Fall meine Freund*innen mit Katzen bitten, daran teilzunehmen :)
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