Die etwas andere Echse
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um die Krokodilschwanzechse. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um die Krokodilschwanzechse. - Von Severin Dressen
Heute soll es an dieser Stelle um Echsen und im Speziellen um die Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus) gehen. Eine stark bedrohte Art, die erst seit Kurzem bei uns im Zoo lebt und als Echsenvertreterin hervorsticht. Für sie wurde gar eine eigene Familie geschaffen, die Shinisauridae.
18 verschiedene Echsenarten leben bei uns im Zoo. Wobei das wissenschaftlich nicht ganz korrekt ist, da Echsen streng genommen keine eigene wissenschaftliche Ordnung sind. Vielmehr spricht man heute von der Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata), zu denen neben Geckos, Waranen, Leguanen, Chamäleons und weiteren Echsen auch die Schlangen zählen. Weil die heutige Kolumne aber allein den Echsen gewidmet ist, bin ich ausnahmsweise biologisch inkorrekt.
Vereinfacht könnte man Echsen als Schuppenkriechtiere mit vier Beinen klassifizieren. Wobei, keine Regel ohne Ausnahme: Blindschleichen haben keine Beine und zählen trotzdem nicht zu den Schlangen, sondern zu den Echsenartigen. Die Krokodilschwanzechse ist keine Schleiche, gehört aber in der biologischen Systematik der gleichen Unterordnung an. Ja, Biologie ist manchmal wirklich kompliziert, aber auch überraschend. Denn weil das so ist, zählt die auch in der Schweiz vorkommende Blindschleiche tatsächlich zu den nächsten Verwandten der in Asien beheimateten Krokodilschwanzechse. Wer hätte das gedacht.
Gemeinsam haben sie auch, dass beide Arten lebendgebärend sind. Unter den Echsen – die meisten legen Eier – eher die Ausnahme als die Regel. Bis zu 15 Jungtiere bringt eine Krokodilschwanzechse nach rund 9 Monaten Tragzeit jeweils nacheinander zur Welt. Ebenfalls auffällig ist ihre echsenuntypische Vorliebe für Wasser. Sie ist eine gute Schwimmerin und schafft es gar, 30 Minuten lang zu tauchen. Auch äusserlich fällt die Krokodilschwanzechse auf. Abgesehen vom Kopf ähnelt sie einem Krokodil – daher ihr Name. So weist ihr Schwanz wie beim Krokodil zwei seitliche Kämme mit vergrösserten Schuppen auf. Die Färbung der Tiere ist variabel und reicht von graubraun bis hin zu verschiedenen Rottönen.
Krokodilschwanzechsen sind in der Wildnis inzwischen äusserst selten. Ihr natürlicher Bestand wird auf maximal 1000 Tiere geschätzt, verteilt auf zwei Unterarten. Eine südchinesische und eine vietnamesische. Gefährdet ist die Krokodilschwanzechse vor allem durch den Verlust und die Fragmentierung des sehr begrenzten Lebensraums, aber auch durch die Verwendung für die traditionelle Medizin sowie den illegalen Wildtierhandel.
Bei uns im Zoo kann die vietnamesische Unterart im Terrarium beobachtet werden. Dort teilen sich ein Männchen und ein Weibchen ihren Lebensraum mit drei – vom Aussterben bedrohten – Annam Bachschildkröten. Die beiden Tiere sind Teil der Reservepopulation von aktuell 55 Tieren. Zuletzt gab es mehrere Nachzuchten. Ein gutes Zeichen für den Fortbestand der etwas anderen Echse.
Weitere Informationen:
www.zoo.ch
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