Halter für Trupiale gesucht
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Montserrat-Trupial, einen seltenen Singvogel. - Von Severin Dressen
Der Bestand des Montserrat-Trupials soll in Zoos vermehrt werden, um die Art vom Aussterben zu bewahren. Bild: Zoo Zürich, Enzo Franchin
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Montserrat-Trupial, einen seltenen Singvogel. - Von Severin Dressen
Als moderner Zoo setzen wir uns für Naturschutz, Forschung, Bildung und Artenschutz ein. Das machen wir aber nicht allein, sondern im Verbund mit über 400weiteren Zoos in 47 Ländernunter dem Dach der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA). Damit alle Mitglieder auf dem neusten Standbleiben, gibt es einmal pro Monat einen Newsletter. Dieser enthält neben aktuellen Themen, Publikationen und Veranstaltungshin-weisen auch Informationen zuVeränderungen oder Anpassungen in den verschiedenen EEPs, den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen.
Und so fiel mir im letzten Newsletter der Aufruf auf, dass für den Montserrat-Trupial (Icterus oberi) weitere Haltungen gesucht werden. Der Zoo Zürich hält die Singvogelart bereits seit 2010 und ist auch am bestehenden EEP beteiligt. Ziel eines EEPs ist es, eine Reservepopulation einer gefährdeten Art ausserhalb des natürlichen Ursprungsgebiets zu erhalten. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Population eine gewisse Grösse hat. Erst dadurch ist sichergestellt, dass sie stabil ist. Es muss also genügend Tiere haben, die züchten können und dafür sorgen, dass die Population sich immer wieder erneuert.
Die EEP-Population des Mont-serrat-Trupials besteht aktuell aus 45 Tieren verteilt auf 16 Zoos. Alle Tiere gehören der Regierung von Montserrat und sind an die Zoos quasi nur ausgeliehen. Eben genau aus dem Grund, eine Reservepopulation ausserhalb der Insel Montserrat zu sichern. Denn der dortige wilde Bestand ist zwar aktuell stabil, aber sehr fragil. Montserrat ist eine Vulkaninsel und gehört zu den Kleinen Antillen. Der Montserrat-Trupial ist eine endemische Art, kommt also nur dort vor. Entsprechend klein ist das natürliche Verbreitungsgebiet des Vogels. Anfang der 1990er Jahre lebte eine grosse Population von Montserrat-Trupialen in den Wäldern rund um den Vulkan Soufrière Hills. Dieser ist jedoch aktiv und so zerstörten mehrere Ausbrüche rund zwei Drittel des Lebensraumes. Auch der Ascheregen ist problematisch. Der Insektenbestand nahm stark ab, dem Vogel fehlte Futter. Eingeschleppte invasive Arten wie Ratten erhöhen den Druck zusätzlich. Sie zerstören Gelege und fressen Nestlinge. Zählte der Wildbestand in den 1990er Jahren noch etwa 4000 Tiere, sind es laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN heute nur noch etwa 460. Die Art gilt entsprechend als bedroht und schon ein weiterer Vulkanausbruch könnte ausreichen, um den Montserrat-Trupial auszulöschen. Das Back-up in Zoos ist also sehr relevant. Langfristig wäre eine Population von etwa 100 bis 150 Tieren ideal. Aber bereits jede zusätzliche Haltung ist sinnvoll und stärkt die Stabilität der bestehenden EEP-Population.
Artenschutz ist vielfältig und viel mehr als der Schutz einer Tierart vor Ort. Das reicht oft eben nicht aus. Das Beispiel zeigt, welche Aufgabe moderne Zoos im Artenschutz übernehmen und wie das Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten, auch den Engagierten im natürlichen Lebensraum einer Art, funktioniert.
Weitere Informationen:
www.zoo.ch
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