Gegen Vogelgrippe gewappnet: Maya Kummrow, leitende Tierärztin des Zoo Zürich, umrahmt von Enten und Flamingos des Tiergartens. Bild: SB
20.01.2026 17:35
Trennen und Impfen
Wegen der Vogelgrippe gelten in der Schweiz aktuell verstärkte Präventionsmassnahmen. Das hat auch Einfluss auf den Betrieb des Zoo Zürich. Dessen leitende Veterinärin Maya Kummrow erklärt, wie sich der Zoo davor schützt und welche Tierkrankheiten sonst noch eine Gefahr für den Zoo darstellen. - Von Sacha Beuth
Seit Anfang November 2025 gab es in der Schweiz wieder Fälle von Vogelgrippe, unter anderem im Kanton Luzern und im Nachbarkanton St. Gallen. Inwieweit stellt dies eine Gefahr für den Vogel-bestand des Zoo Zürich dar?
Maya Kummrow: Das kommt auf die jeweilige Art und die Umgebungssituation an. Grundsätzlich ist die Vogelgrippe eine Gefahr für jeden Vogel. Einige Arten sind einfach empfänglicher dafür, vor allem Wasservögel und solche, die in Gruppen nahe beieinander leben und gegenüber dem direkten Kontakt mit Wildvögeln mehr exponiert sind. Bei uns im Zoo wären dies etwa Enten, Gänse, Pfauen und andere Hühnervögel.
Wie geschieht die Ansteckung und wie erkennt man ein infiziertes Tier?
Die Ansteckung erfolgt wie bei einer Grippe beim Menschen über Tröpfcheninfektion und zudem über Kot und andere Ausscheidungen. Kontaminiertes Wasser und Bodensubstrat sind ebenfalls eine Quelle. Symptome können Niesen, Atembeschwerden, Müdigkeit und Ödeme, also Schwellungen sein, etwa am Kopf. Den betroffenen Tieren sieht man eine Infektion jedoch meist nicht an, sie sterben oft akut. In der Regel werden Vogelgrippe-Fälle erst nach einem Laboruntersuch eines verendeten Tieres nachgewiesen.
Wie wappnet sich der Zoo Zürich gegen Vogelgrippe-Ansteckungen, beziehungsweise lässt sich dies überhaupt verhindern?
Was getan werden muss, bestimmen die Behörden. Bei Tierseuchen erlässt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV die Regeln. So hat es wegen der aktuellen Lage Massnahmen zur Bekämpfung der Vogelgrippe auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Das jeweilige kantonale Veterinäramt ist dann für deren Umsetzung zuständig. Im Fall der Aviären Influenza, wie die Vogelgrippe auch genannt wird, bestimmt das Veterinäramt Zonen um den Entdeckungsort eines Vogelgrippefalls. Je näher sich die Zonen an der Fundstelle befinden, desto stärker sind die Schutzmassnahmen. Darunter fallen beispielsweise das Aufstallen aller Vögel, die Schliessung begehbarer Volieren für Besucherinnen und Besucher, Hygienebarrieren wie Schuhdesinfektionsbäder für die Tierpflegenden und besonders die Unterbindung möglicher Kontakte zwischen Zoo- und Wildvögeln. Letztere etwa durch die Bedachung von Volieren oder deren Umspannung mit einem feinmaschigen Netz. Auch eine Keulung, also Tötung, bestimmter Vogelgruppen ist möglich. Im Fall der Vogelgrippe haben wir für jeden Zonenerlass des Veterinäramts einen Plan ausgearbeitet, nach dem wir vorgehen. Was wir jedoch nicht tun, ist, vorauseilend zu handeln, denn das Fangen ist für unsere Tiere immer eine Belastung. Grundsätzlich managen wir den Vogelbestand das gesamte Jahr über so, dass wir im Falle einer Aufstallungspflicht im Winter keine Platzprobleme haben und die Tiere gut unterbringen können. Und nein, hundertprotzentig verhindern lassen sich Ansteckungen mit Vogelgrippe nicht.
Wie werden Landraubtiere, Robben, Rinder und auch Menschen, namentlich Zoo-Mitarbeitende und -Gäste, geschützt, die sich alle ebenfalls mit dem Vogelgrippe-Virus infizieren können?
Die genannten Tiergruppen können sich zwar ebenfalls mit dem Vogelgrippevirus infizieren, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist jedoch viel geringer. Einerseits, weil sie grundsätzlich dafür weniger anfällig sind. Andererseits, weil Bedingungen für eine Kontamination im Zoo nicht oder weniger gegeben sind. Ich nenne mal als Beispiel die Robben. In der Natur ruhen sie oft auf denselben Felsen wie Möwen und andere Seevögel. Die Gefahr, mit deren Kot in Kontakt zu kommen, ist darum viel höher als bei uns, wo Robben und wasserbewohnende Vögel getrennt gehalten werden. Besucher schützen wir durch die bereits erwähnte Unterbindung von Kontaktmöglichkeiten und unsere Mitarbeitenden durch Schutzmasken- und -bekleidung. Wichtig zu erwähnen ist, dass wir Schutzmassnahmen jeweils in Absprache mit den zuständigen Behörden treffen.
Inwieweit hat die Vogelgrippe Einfluss auf die aktuelle und künftige Vogelhaltung im Zoo Zürich. Macht unter diesen Umständen etwa eine Pantanal-Voliere noch Sinn?
Ja. Einerseits sind Massnahmen gegen Vogelgrippefälle Teil unseres Vogelhaltungskonzepts und kommen damit auch in der Voliere des Zoo-Lebensraums Pantanal zu tragen. Andererseits sind hier die Risiken einer Infektion von einer Tierart zur anderen gering. So würde beispielsweise eine Ente selten Kontakt zu einem für die Voliere geplanten Hyazinthara suchen.
Wie weit ist man mit einer Entwicklung eines Impfstoffes gegen diese Tierseuche?
Es gibt bereits mehrere Impfstoffe, die kommerziell erhältlich sind. Einige EU-Länder, gerade solche mit grossen Enten- und Gänsehaltungen wie Frankreich, impfen schon damit. In der Schweiz ist derzeit noch keines dieser Mittel zugelassen.
Neben der Vogelgrippe machen zurzeit auch Afrikanische Schweinepest (ASP) und Blauzungenkrankheit (BTV) von sich reden. Wie werden die Tiere des Zoo Zürich davor geschützt?
BTV beschäftigt uns schon seit Jahren, auch weil es immer wieder neue Virentypen entstehen. Zum Glück gibt es Impfstoffe. Allerdings impfen wir nur, wenn Aufwand und Risiko für das Tier Sinn machen. Antilopen wie Impalas, die sehr sensibel reagieren, würde eine Impfung zu sehr stressen, derweil wir um eine Impfung bei Nicht-Afrikanischen-Rinderartigen wie Yaks oder Kameliden wie Alpakas nicht herum kommen, weil sie im Gegensatz zu den Impalas anfälliger auf die Krankheit sind. Die ASP wiederum ist zwar für Menschen ungefährlich, aber dennoch das grosse Schreckgespenst, das auf die Schweinehaltungen in der Schweiz zurollt. Zumal sie hochansteckend und in der Regel tödlich ist. Es reicht schon, wenn ein Wildschwein ein weggeworfenes Schinkensandwich, das aus dem Fleisch eines infizierten Tieres stammt, frisst. Anhand von Erfahrungen aus dem Ausland werden Massnahmenpakete von den Behörden geschnürt, wobei hier im Zoo wiederum die weitestgehende Trennung von Mensch und Tier im Vordergrund steht.
Welche weiteren Tierseuchen und/oder Zoonosen (von Mensch zu Tier und von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten) bereiten Ihnen aktuell Kopfzerbrechen und warum?
Ich würde nicht gerade von Kopfzerbrechen sprechen. Aber ständig auf dem Radar haben wir die Tuberkulose bei Elefanten und machen deshalb regelmässig Blut- und Rüsselspülproben. Mit grosser Sorge verfolgen wir die Ausbreitung de Chytridpilzes in der Natur bei Amphibien. Dieser Pilz ist eine der aktuell grössten Tierseuchen weltweit mit gravierenden Folgen. Und sogar die Maul- und Klauenseuche, unter der der Zoo 1965 zu leiden hatte, lassen wir nicht ausser Acht, nachdem wie aus dem Nichts letztes und vorletztes Jahr in Deutschland und Ungarn Wasserbüffel daran starben. Dabei hatte man geglaubt, dass man diese Krankheit ausgerottet habe.