Tiere mit gesundem Schlaf
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um die Schlafgewohnheiten von Koala, Qualle und Co. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um die Schlafgewohnheiten von Koala, Qualle und Co. - Von Severin Dressen
Ich habe vier kleine Kinder. Oder anders ausgedrückt: Wer braucht schon Schlaf? Zugegeben, das ist sehr überspitzt formuliert. Alle Eltern unter Ihnen werden aber wissen, was ich meine. Mit Kindern kommt der eigene Schlaf oft zu kurz – mit den entsprechenden Nebenwirkungen. Augenringe sind da noch das kleinste Übel.
Schlaf ist allerdings kein Spezifikum des Menschen, auch Tiere müssen schlafen. Während der Mensch gut ein Drittel seines Lebens in einem passiven, unproduktiven, phasenweise sehr tiefen und daher weitgehend schutzlosen Zustand verbringt, ist die Bandbreite der Schlafformen im Tierreich deutlich grösser. Während Koalas mit rund 20 Stunden Extremschläfer sind, schlafen Elefanten sehr wenig, meist nur zwei bis vier Stunden am Stück. Dafür häufiger und zwischendurch auch tief. Fluchttiere wie Giraffen oder Antilopen schlafen dagegen meist nur sehr leicht, oft im Stehen und in mehreren kürzeren Intervallen – quasi immer bereit loszusprinten. Mauersegler, die fast ihr gesamtes Leben im Flug verbringen, schlafen auch im Flug. Bei Delfinen schläft immer nur eine Gehirnhälfte. Fische schlafen mit offenen Augen. Sie haben keine Lider. Und sogar Insekten müssen schlafen.
Grundsätzlich gilt das für alle Tiere, die ein Gehirn haben – so dachte man lange. Eine neue Studie zeigt nun aber, auch Quallen und Seeanamonen schlafen. Tiere also, die kein Gehirn haben, sondern nur ein Netzwerk aus Nervenzellen. Welche Aufgabe hat also Schlaf, der im ersten Moment doch wenig nützlich erscheint? Es ist wahrscheinlich eine der grössten offenen Fragen der Biologie, auf die es bis heute keine eindeutige Antwort gibt.
Das Forschungsteam, dass die Quallen und Seeanamonen untersucht hat, hat jedoch neue spannende Erkenntnisse gewonnen. Es konnte nämlich zeigen, dass im Schlaf offensichtlich sehr wichtige Dinge passieren. Bei den Nesseltieren scheint dies die Reparatur von Schäden am Erbgut der Nervenzellen zu sein. Denn je stärker die DNA-Veränderungen bei den Tieren, von den Forschenden künstlich herbeigeführt, desto grösser war ihr Schlafbedürfnis. Und nicht nur das: Nach dem Schlaf waren die Schäden grösstenteils repariert. Nervenzellen gehören zu den wenigen Zellen des Körpers, die – einmal abgestorben – nicht ersetzt werden können. Ihre möglichst permanente Reparatur ist somit eminent wichtig. Wie es aussieht, setzt dieser Vorgang jedoch erst im Schlaf ein. Das würde bedeuten: Menschen und Tiere müssen schlafen, damit sie möglichst lange geistig fit und gesund bleiben. Das ist doch die perfekte Ausrede fürs nächste Nickerchen.
Letzteres machen Quallen übrigens auch gern – und wie der Mensch am liebsten zur Mittagszeit. Auch sonst bestehen erstaunlich viele Parallelen: Der Schlaf von Quallen ist wie der einesMenschen phasenweise tief, dauert durchschnittlich acht Stunden und findet meist nachts statt.Beim Schlafen ähneln wir also mehr einer Qualle als einem Elefanten. Das ist doch mal eine Erkenntnis!
Weitere Informationen:
www.zoo.ch
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