Die Natur als Taktgeber
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Einfluss der Jahreszeiten auf die Tierwelt. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Einfluss der Jahreszeiten auf die Tierwelt. - Von Severin Dressen
Ostern ist vorbei, die Frühlingsferien stehen vor der Tür. Die Tiere bei uns im Zoo juckt das herzlich wenig. Sie orientieren sich nicht an menschlichen Bräuchen und kulturellen Gegebenheiten. Ihr Leben ist viel eher durch den Wechsel der Jahreszeiten bestimmt.
Besonders offensichtlich ist dieser Einfluss bei den Vögeln. Sie befinden sich jetzt im Frühling in Hochform. Es wird gebalzt, gebuhlt und gebrütet, was das Zeug hält. Gut beobachten lässt sich das unter anderem bei den zahlreichen wildlebenden Weissstörchen (Ciconia ciconia) im Zoo, bei den Rad schlagenden Blauen Pfauen (Pavo cristatus) oder den kräftig balzenden Blaubrust-Krontauben (Goura cristata) im Freiflugbereich der Forschungsstation.
Für typische Regenwaldbewohner, von denen es in der Forschungsstation ebenfalls einige gibt, definiert sich Jahreszeit etwas weniger durch Temperatur oder Sonneneinstrahlung, sondern häufiger über den natürlichen Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeit. Dieser gibt vor, wann die beste Zeit zur Fortpflanzung ist. So auch bei der Rio-Pescado-Stummelfusskröte (Atelopus balios). Weil das Team der Forschungsstation bei dieser kürzlich die Regenzeit simuliert hat, tummeln sich aktuell viele winzige Kaulquappen in den verschiedenen Becken. Ein grossartiger Erfolg für den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Art.
Tatsächlich galt die Kröte bis 2010 als ausgerottet. Die Wiederent-deckung einiger weniger Exemplare an drei Standorten in den Regenwäldern Ecuadors und der daraufhin erfolgte Aufbau eines Zuchtprogramms lassen nun hoffen, dass die Art bewahrt werden kann.
Saisonale Veränderungen sind ein wichtiger Taktgeber im Tierreich. Das ist auch absolut sinnvoll, denn es stehen meist nicht das ganze Jahr hindurch die gleichen Ressourcen zur Verfügung. Dennoch gibt es Arten, die Fortpflanzung ein wenig flexibler hand-haben. Springtamarine (Callimico goeldii) beispielsweise. Auch sie sind in der Forschungsstation zu finden, bedroht in der Wildnis und aktuell trägt das Weibchen ein etwa einen Monat altes Jungtier auf dem Rücken. Saisonale Tendenzen sind zwar auch bei Spring-tamarinen erkennbar, aber Verschiebungen sind möglich, so dass sich die Art das ganze Jahr hindurch fortpflanzt. Springtamarine gehören zu den Krallenaffen, bilden aber eine eigene Gattung innerhalb dieser Tierfamilie. Anders als die meisten Krallenaffenarten bringen sie selten Zwillinge, sondern meist nur ein Jungtier zu Welt.
Auch ihre Sozialstruktur unterscheidet sie von anderen Krallenaffen. Sie leben in kleineren Verbänden und oft hat nicht allein das ranghöchste Weibchen Nachwuchs. Wohl auch deshalb kümmert sich mehrheitlich die Mutter um das Jungtier, der Vater oder andere Gruppenmitglieder springen deutlich seltener als Baby-sitter ein.
Ob nun jahreszeitlich stärker oder weniger stark geprägt, die Interessen von Tieren sind auf jeden Fall anders gelagert als die von uns Menschen. Geburtstagskuchen oder bunte Osternesterfür Tiere sucht man bei uns daher vergeblich.
Weitere Infos:
www.zoo.ch
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