KI im Elefantenpark
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Einsatz künstlicher Intelligenz im Zoo Zürich. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Einsatz künstlicher Intelligenz im Zoo Zürich. - Von Severin Dressen
Das Wohl der Tiere in unserer Obhut hat oberste Priorität. Das ist ein Grundsatz, der ausnahmslos für alle Tierarten im Zoo Zürich gilt. Grundlage, um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind Forschung und Wissenschaft. Denn sie liefern das nötige Wissen für eine artgerechte Haltung. Nur wenn ich weiss, welche Bedürfnisse ein Tier hat, kann ich diese auch befriedigen.
Tatsächlich ist es aber gar nicht immer so einfach, diese Bedürfnisse genau zu erfassen. Einfach fragen geht ja nicht. Um das Tierwohl eines einzelnen Individuums zu beurteilen, kommt daher ein Mix verschiedener Techniken und Strategien zum Einsatz.
Das wissenschaftlich anerkannteste Modell zur Bestimmung des Tierwohls ist das Fünf-Domänen-Modell. Damit lässt sich das Tierwohl in fünf Hauptparametern messen: Physische Gesundheit, Ernährungszustand, Sozialgefüge, bedürfnisgerechte Umgebung und mentale Verfassung. Das Modell ist umfassend und ermöglicht eine aussagekräftige Bewertung des individuellen Zustands eines Tieres.
Aber natürlich geht es immer noch besser, weshalb die Optimierung des Tierwohls ein nicht endender Prozess ist. Aktuell findet daher bei unseren Elefanten ein spannendes Forschungsprojekt statt, das zu diesem Zweck auf modernste Technik setzt. Initiiert und geleitet wird es von unserem eigenen Forschungsteam, das hierfür erfolgreich Forschungsfördermittel eingeworben hat.
Teile des Tierbereichs im Kaeng Krachan Elefantenpark sind videoüberwacht. Das ist sinnvoll, weil das Tierpflege-Team zwar viel mitbekommt, aber natürlich nicht alles. Die Kameraaufzeichnungen ermöglichen einen besseren Überblick über das Geschehen. Die Auswertung des Materials ist jedoch zeitintensiv, weshalb wir mit Fachleuten aus dem Bereich Computer Vision, einem Teilgebiet der Forschung zur Künstlichen Intelligenz, ein ganz neues Tool entwickelt haben. Computer Vision erforscht, wie KI «sieht» und daraus Informationen ableitet.
Trainiert mit jeder Menge Videos ist die KI inzwischen in der Lage, die einzelne Elefanten im Kaeng Krachan Elefantenpark zu erkennen und aktuelle Sequenzen dem jeweiligen Individuum zuordnen. Das ermöglicht der KI, Verhaltensmuster zu erkennen. Ein technologischer Meilenstein. Beispielsweise kann sie Aussagen darüber machen, auf welcher Seite und wie viele Stunden ein Elefant schläft, ob er einen bestimmten Untergrund bevorzugt, ob er auf die Anwesenheit einzelner anderer Elefanten unterschiedlich reagiert und vieles mehr. Es ergibt sich ein recht vollständiges Bild über das Verhalten und die Präferenzen der einzelnen Tiere zu jedem Zeitpunkt. Mit Blick auf das Tierwohl ist das ein immens wertvoller Schatz und wird vom Tierpflege-Team bereits täglich genutzt. Es kann besser auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Dank der Auswertung fallen Unregelmässigkeiten oder Abweichungen vom Normalverhalten zudem schneller auf und es kann schneller reagieren. Und auch international stösst die Entwicklung bereits auf grosses Interesse. Wissen und Forschung sind und bleiben für Tierhaltung, Artenschutz und Naturschutz unerlässlich.
Weitere Infos:
www.zoo.ch
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