Echte Tiere, falsche Namen
Von Ameisenbär bis Zitteraal – viele wohlbekannte Tierarten führen Namen, die aus Sicht ihrer Abstammung eigentlich falsch sind. Das «Tagblatt» bringt Licht ins Dunkel. - Von Sacha Beuth
Von Ameisenbär bis Zitteraal – viele wohlbekannte Tierarten führen Namen, die aus Sicht ihrer Abstammung eigentlich falsch sind. Das «Tagblatt» bringt Licht ins Dunkel. - Von Sacha Beuth
Dass der Grosse Ameisenbär eine lange Zunge hat und damit Ameisen und Termiten fängt, dürfte vielen Tierinteressierten bekannt sein. Jedoch weniger, dass es sich bei dieser Art – und auch dem Kleinen Ameisenbären und dem Zwergameisenbären – gar nicht um einen Bären handelt. Vielmehr gehört Myrmecophaga tridactyla, so die wissenschaftliche Bezeichnung, der Ordnung der Zahnarmen an. Er ist also anders als echte Bären kein Raubtier.
Damit ist die fehlerhafte Bezeichnung im Tierreich aber noch lange nicht beendet. Dutzende Arten tragen deutsche Namen, die eigentlich nicht ihrer Systematik (= wissenschaftliche Einteilung und Gliederung der Lebensformen) entsprechen. Ein paar besonders Auffällige und Populäre davon hat das «Tagblatt» herausgepickt und nach dem ABC aufgeführt.
So ist mit Altdeutschem Mövchen beispielsweise eine Haustaubenrasse gemeint. Ein Ameisenlöwe ist kein Löwe, sondern ein Insekt aus der Ordnung der Netzflügler. Das Buschkrokodil gehört immerhin wie die echten Krokodile zu den Reptilien, ist aber eine nur etwa 20 Zentimeter lange, auf Neuguinea beheimatete Echse aus der Familie der Skinke. Flughund und Fledermaus sind Bezeichnungen für Fledertiere, die weder mit Hunden, also Raubtieren, noch Mäusen, also Nagetieren, nähere verwandtschaftliche Beziehungen haben. DerKoalabär hat äusserlich eine gewisse Ähnlichkeit mit echten Bären und soll älteren Berichten zufolge dem Teddybären als Vorbild gedient haben. Er ist jedoch ein Beuteltier. Wer besonders streng ist, kann auch den hochbeinigen, südamerikanischen Mähnenwolf ins Spiel bringen. Er vertritt eine eigene Gattung und ähnelt in vielen Dingen – etwa dem Körpergeruch – mehr einem Fuchs als einem echten Wolf. Klar ist die Sache wieder bei den Meerkatzen. Sie leben weder im Meer noch handelt es sich bei ihnen um Katzen, sondern um afrikanische Primaten. Meerschweinchen stammen ebenfalls nicht aus dem Meer sondern aus den Grasländern Südamerikas und sind Nagetiere.
Ein Klassiker in der Runde ist das Nilpferd. Wissenschaftler streiten, ob der Koloss eher in die weitere Verwandtschaft der Schweine und somit den Paarhufern gehört oder doch eher – wie neuere molekulargenetische Untersuchungen nahe legen – zu den Walen. Ein Pferd ist er jedenfalls nicht und am Unterlauf des Nils ist er längst ausgerottet. Und auch wenn ihre Laute ähnlich klingen wie das Gebell eines kleinen Hundes, so sind Präriehunde doch Nagetiere.
Den aussergewöhnlichsten Namen für ein Tier weisen wohl die Schluckspechte auf, die keine Vögel (und keine Trunkenbolde), sondern Fische aus der Familie der Drachenköpfe sind. Selbst wenn der Begriff «See» (die See) für «Meer» nicht wirklich falsch ist, so wird man doch mit den Bezeichnungen Seebär, See-Elefant, Seehund, Seelöwe (alles Robben), Seeigel (Meereswirbellose), Seekuh (eigene Ordnung, entfernt mit Elefanten verwandt) und Seepferdchen (Fisch) in die Irre geführt. Der heute ausgerottete Tasmanische Tiger war trotz seiner Streifen ein Beuteltier. Der Wasserhund ist ein salmlerartiger Raubfisch und das Wasserschwein ein Nager. Bekannt sein dürfte hoffentlich jedermann, dass der Walfisch kein Fisch, sondern ein Säugetier ist. Dagegen ist die Fehleinschätzung beim Zitteraal sehr verständlich. Wer würde in dem schlangenförmigen und fast schuppenlosen Gesellen einen entfernten Verwandten der Welse, Salmler und Karpfenartigen, statt eines echten Aals vermuten?
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