Eine sonnige Erscheinung
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um südamerikanische Sonnensittiche. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um südamerikanische Sonnensittiche. - Von Severin Dressen
Mittlerweile haben wir Juni und damit offiziell Sommer. Quasi passend zur sonnenreichsten Zeit des Jahres sind seit Kurzem kleine fliegende Sonnenuntergänge bei uns im Zoo zu sehen. Aratinga solstitialis lautet der wissenschaftliche Name des Sonnensittichs – eine Papageienart, deren Name kaum treffender sein könnte. Aratinga bedeutet so viel wie leuchtender (tinga) Papagei (Ara). Solstitialis stellt einen Bezug zur Sonne, konkret zur
Sommersonnenwende dar. Dem Tag, an dem die Sonne erst spät und oft sehr schön untergeht.
Sonnensittiche sind leuchtend gelb mit orangefarbenen Nuancen in Gesicht und Körpermitte und grünen Flügelspitzen. Ein Farbverlauf der durchaus an einen spektakulär leuchtenden Sonnenuntergang erinnert. Und auch ihr Gemüt könnte man aus menschlicher Perspektive als sonnig bezeichnen. Die Vögel sind sehr sozial, leben in grossen Gruppen und eng zusammen. Ihre Bindungen untereinander sind äusserst stark, häufig können die Tiere bei der gegenseitigen Gefiederpflege beobachtet werden. Das sieht dann ein bisschen so aus, als würden sie kuscheln. Rundherum echte Jöö-Kandidaten also.
Doch wie so oft in der Tierwelt wurde und wird ihnen genau das zum Verhängnis. Denn alles, was der Mensch besonders schön und herzig findet, möchte er besitzen. Der illegale Fang und Handel der Vögel für den Heimtiermarkt zählen entsprechend zu den grössten Bedrohungen für die Art. Zu schaffen macht ihnen auch der Verlust von Lebensraum. Auch das ein wiederkehrendes Muster, wenn es um den Verlust der Artenvielfalt geht. Der Sonnensittich gilt als stark bedroht. Auf maximal 4000 Tiere wird der Bestand in der Wildnis
geschätzt. Ob er in Venezuela noch vorkommt, ist unklar. An vielen Orten, an denen die Papageienart in der Vergangenheit lebte, gilt sie heute als ausgestorben. Einzig im nord-östlichen Brasilien und im angrenzenden Guyana ist der Sonnensittich noch anzutreffen.
Sein Lebensraum sind tropische Trockenwälder und Savannen. Dort finden sie je nach Jahreszeit unterschiedliche Samen, Beeren, Früchte, Nüsse oder Blüten. Sie bewegen sich stets in Gruppen oder Familienverbänden und stärken ihre Bande vor allem durch andauernde und lautstarke Kommunikation. Zu überhören sind Sonnensittiche definitiv nicht.
Der Schwarm bei uns im Zoo ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms und wird perspektivisch in das Pantanal Feuchtgebiet ziehen. Ihr aktueller Aufenthaltsort in der Lori-Voliere unterhalb des Lebensraums Australien ist somit temporär. Ursprünglich sollten hier nach der Neugestaltung der Voliere gefährdete Scharlachbrustloris einziehen. Eine ebenfalls bunte und lautstarke Papageientruppe. Aktuell sitzen die Tiere aufgrund bürokratischer
Hürden jedoch noch in Grossbritannien fest. Aber das ist eine andere Papageien-Geschichte.
Übrigens, am 31. Mai war Welt-Papageien-Tag. Nicht nur Sonnensittiche und Scharlachbrustloris benötigen Aufmerksamkeit. Fast jede dritte Papageienart ist gefährdet.
Weitere Infos:
www.zoo.ch
Lade Fotos..