Spur einer Ausgestossenen
Ein Stolperstein erinnert ab Donnerstag in Zürich auch an das Schicksal von Madeleine Lüthi, einer Frau, die von Behörden entrechtet und von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit verschleppt wurde.- Von Jan Strobel
Das KZ Buchenwald nach der Befreiung 1945: Auch die Schweizerin Madeleine Lüthi war hier interniert. Bild: PD
Ein Stolperstein erinnert ab Donnerstag in Zürich auch an das Schicksal von Madeleine Lüthi, einer Frau, die von Behörden entrechtet und von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit verschleppt wurde.- Von Jan Strobel
Als Madeleine Jeanne Lüthi, geboren 1919 in Delsberg, Ende der 1930er-Jahre nach Zürich zog, blickte die junge Frau auf eine traumatische Jugend zurück. Sie hatte «in schlechtem Ruf» gestanden, wie es damals hiess. Und das bedeutete: Die junge Madeleine landete in einem Erziehungsheim im Kanton Bern.
In Zürich lebte sie an der Kurvenstrasse 31 im Quartier Unterstrass. 1939 heiratete sie Robert Lattmann, 1941 kam der gemeinsame Sohn Marcel Jacques zur Welt. Schnell wurde das Korsett der gesellschaftlichen und «sittlichen» Normen allerdings zu eng. Ihr Geld verdiente Madeleine Lüthi als Sexarbeiterin. Damit geriet sie ins Visier der Polizei. Ihr Gesuch, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, wurde wiederholt abgewiesen. Später taucht ihre Spur im Wallis auf, wo sie aus dem Kanton unter dem Vorwurf der Prostitution ausgewiesen wurde. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 1944 überschritt sie illegal die Grenze ins von den Deutschen besetzte Frankreich, wurde dort aufgegriffen, den deutschen Behörden übergeben und nach Leipzig zur Zwangsarbeit verschickt. Ihrer Bitte um einen gültigen Pass, der ihr die Rückkehr ermöglicht hätte, wurde vom Schweizer Konsulat nicht stattgegeben. Stattdessen leitete die Schweiz ein Gerichtsverfahren gegen sie wegen illegalen Grenzübertritts ein. Das in Abwesenheit gefällte Urteil: 15 Tage Gefängnis und 30 Franken Gerichtskosten. Im Dezember 1944 wurde Madeleine Lüthi ins KZ Buchenwald deportiert. Im April 1945 wurde das Lager von US-Truppen befreit. Zurück in der Schweiz focht Madeleine Lüthi das Urteil des Schweizer Gerichts an. Nur teilweise berücksichtigt wurde später ihre Forderung nach Entschädigungszahlungen für das erlittene Unrecht und die schweren gesundheitlichen Schäden durch Zwangsarbeit und KZ-Haft. Erst 1964 wurde das Urteil wegen illegalen Grenzübertritts endgültig gelöscht. Zu diesem Zeitpunkt lebte Madeleine Lüthi in den USA. Sie starb 1982 in New York.
Morgen Donnerstag, 7. Mai, wird der Verein Stolpersteine Schweiz weitere sechs Gedenksteine für Nazi-Opfer in der Stadt Zürich setzen. Darunter auch einen Stolperstein für Madeleine Lüthi an der Kurvenstrasse 31.
Weitere Informationen: www.stolpersteinestolpersteine.ch .ch
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