Zwischen Steuer und Hofburg
Geschichte: Ein Zürcher im Dienst der Habsburger: Gottlieb Wiederkehr arbeitete als Mechaniker und avancierte zum persönlichen und loyalen Chauffeur von Erzherzog Eugen von Österreich. - Von Jan Strobel
Gottlieb Wiederkehr chauffiert Erzherzog Eugen (hinten). Bild: PD
Geschichte: Ein Zürcher im Dienst der Habsburger: Gottlieb Wiederkehr arbeitete als Mechaniker und avancierte zum persönlichen und loyalen Chauffeur von Erzherzog Eugen von Österreich. - Von Jan Strobel
Im Leben von Mechaniker Gottlieb Wiederkehr, 1879 in Dietikon geboren, gab es einen Menschen, dem er zeit seines Lebens verbunden bleiben sollte und der sich in den höchsten Machtzirkeln bewegte. 1906 trat Wiederkehr den Dienst als persönlicher Chauffeur des österreichischen Erzherzogs Eugen an, Mitglied des Kaiserhauses Habsburg-Lothringen, oberster Militär in Tirol und Vorarlberg – und begeisterter Automobilfan. Kurz zuvor hatte der Erzherzog in Zürich ein Auto erworben, genauer einen 40/45 HP Richard-Brasier. Gleichzeitig mit dem Autokauf warb er Gottlieb Wiederkehr ab. Der Mechaniker und frisch ernannte «erzherzogliche Motorwagenführer» wohnte zunächst in der Innsbrucker Hofburg, bevor er mit seiner Familie in eine Privatwohnung zog. 1909 wurde er zum «Chauffeur-Offizianten» ernannt und damit zum fest angestellten, offiziellen Fahrer des erzherzoglichen Hofes.
Gottlieb Wiederkehr blieb über die Jahre loyal in den Diensten des Erzherzogs, auch nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Wiederkehr chauffierte seinen hochadligen Chef, nun Kommandant der Südwestfront, an die Kriegsschauplätze. Im Juni 1916 wurde dem Schweizer «in Anerkennung besonders pflichttreuer Dienstleistung vor dem Feinde» von Kaiser Franz Joseph das «Silberne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille» verliehen. Als im Herbst 1918 die Donaumonarchie unterging, kehrte Gottlieb Wiederkehr in die Schweiz zurück. Auch hier scheint er mit dem Erzherzog in Kontakt geblieben zu sein. 1919 lebte der Habsburger im Exil in Basel, bevor er 1934 nach Österreich zurückkehrte. Über Gottlieb Wiederkehrs weitere Lebensjahre ist wenig bekannt. Zwischen 1924 und 1926 soll er in Bern als Werkführer gearbeitet haben, bevor er nach Zürich zurückkehrte, um hier wieder als Mechaniker zu arbeiten. Im Stadtzürcher Adressbuch von 1935 taucht tatsächlich ein Mechaniker Gottlieb Wiederkehr auf, wohnhaft an der Zypressenstrasse 124 im Kreis 4.
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