Bau beeinträchtigt Parkplätze
Wegen der vielen Baustellen besetzt Baumaterial Parkplätze. Die Behörden sind bemüht, diese so rasch wie möglich freizugeben. Bürgerliche kritisieren, dass Autofahrer benachteiligt werden. - Von Clarissa Rohrbach
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Wegen der vielen Baustellen besetzt Baumaterial Parkplätze. Die Behörden sind bemüht, diese so rasch wie möglich freizugeben. Bürgerliche kritisieren, dass Autofahrer benachteiligt werden. - Von Clarissa Rohrbach
In Zürich schwinden die Parkplätze. Das Problem wird durch die zahlreichen Baustellen in der Stadt noch verschärft. Denn wegen der knappen Platzverhältnissen in der Stadt werden Parkplätze mit Baumaterial und Containern belegt. Immer wieder gehen bei den Behörden Beschwerden über die temporär besetzten Parkplätze ein. Und die Baustellen in der Stadt nehmen nicht ab. Zurzeit wird an 165 Orten gebaut, nur schon dieses Jahr kamen 80 Baustellen dazu.
Das Tiefbauamt der Stadt Zürich schreibt auf seiner Webseite, «bei jeder Baustelle muss Material an- und abtransportiert werden, und es braucht Zwischenlager und Bauinstallationen wie Container für die Bauleitung und das Personal». Um den dafür nötigen Platz zu schaffen, müssten oft Parkplätze provisorisch aufgehoben werden. «Wir achten aber sehr darauf, dass wir belegte Parkplätze wenn möglich schon vor Bauabschluss freigeben.» Das Material werde auf Parkplätzen installiert, wenn kein anderer Platz auf öffentlichem Grund vorhanden sei. Man sei sich der Knappheit des öffentlichen Raumes bewusst und würde darauf achten, dass Bauinstallationen auf möglichst wenig Platz untergebracht werden. «Vor Baustart wird geprüft, ob und wie viele Parkplätze zur Materiallagerung beansprucht werden müssen, dabei werden so wenige Parkplätze wie möglich aufgehoben», sagt Helen Berg, Sprecherin des Tiefbauamts. Die Parkplätze würden nur temporär in Anspruch genommen und nach Wegfall des Bedarfs umgehend wieder freigegeben. «Wenn möglich, wird ein Ersatz angeboten», sagt Berg.
Christoph Zürcher, Sprecher der IG Quartierparkplätze Zürich, sieht hingegen bei den Behörden keine Bestrebungen, die Parkplätze möglichst schnell wieder freizugeben. «Die Besetzung durch Baumaterial dauert unnötig lange und braucht viel Platz», sagt er. Zudem würden wochenlange Pausen eingelegt, in denen nicht gearbeitet werde, aber die Parkplätze trotzdem besetzt seien. Er habe auch beobachtet, wie die Autos der Bauleitung auf den Parkplätzen standen, was nicht erlaubt ist. Zürcher meint, der fehlende Wille der Behörden, das Problem zu beheben, reihe sich ein in die autofeindliche Politik der Stadt. «Diese sieht den motorisierten Verkehr als verwerflich und sieht langfristig keine Notwendigkeit für Parkplätze an der Oberfläche.» Laut Zürcher leiden die Autofahrer unter den Baustellen. «Die Anwohner müssen einen enormen Zeitaufwand in Kauf nehmen, um einen Parkplatz zu finden und ihr Auto weit weg abstellen», sagt er.
Autofahrer ziehen in der Stadt seit einigen Jahren den Kürzeren. Mit der Annahme der Siedlungs- und Verkehrsrichtpläne im Jahr 2021 hat die Bevölkerung den «Historischen Parkplatzkompromiss» von 1996 gekippt. Dieser schrieb vor, dass für jeden abgeschafften Parkplatz an der Oberfläche unterirdisch ein Ersatz geschaffen werden muss. Die Stadt will durch Vorzugsrouten den Veloverkehr fördern und die Stadt mit Grünflächen und Tempo 30 für Fussgänger attraktiver machen, dies sehr zum Leidwesen der Autofahrer. Zurzeit gibt es in der Stadt rund 42 000 Parkplätze, 12 000 sind weiss und 30 000 in der blauen Zone. Allein dieses Jahr sollen 300 bis 500 Parkplätze wegfallen. Zwischen 2019 und 2023 wurden 3200 Strassenparkplätze aufgehoben.
Laut SVP-Gemeinderat Stephan Iten werden die Parkplätze auf Vorrat von Baustellen besetzt. «Ich habe gesehen, wie sechs Parkplätze gesperrt waren, aber praktisch nichts darauf stand», sagt er. Er verstehe zwar, dass der Platz in der Stadt knapp sei, doch die Behörden müssten die Belegung von Parkplätzen auf ein Minimum beschränken. «Es braucht Lösungen, wie zum Beispiel etappenweise bauen oder nachts die Parkplätze wieder freigeben», sagt Iten. Er sorgt sich auch um das Gewerbe und nennt die aktuellen Baustellen Kreuzplatz und Baslerstrasse. Dort kämen die Kunden wegen der Bauarbeiten mit dem Auto nicht mehr an Beck, Restaurants und Geschäfte heran. Darunter leide auch der Umsatz dieser Betriebe. «Der Stadtrat hat den Auftrag, dass das Gewerbe bei Baustellen für Kunden zugänglich bleibt, doch er setzt diesen nicht um», sagt Iten. Man gebe sich verständnisvoll, doch es passiere nichts.
Ein «Tagblatt»-Leser aus Altstetten hat beobachtet, dass wegen der Baustellen das Wildparkieren zugenommen hat. Autofahrer stellen ihr Fahrzeug einfach irgendwo ab. Trotz der Parkplatznot in gewissen Quartieren büsst die Stadtpolizei Falschparker weiterhin. «Wer sein Auto falsch parkiert, riskiert eine Busse», sagt man bei der Medienstelle. Ob das Falschparkieren wegen der Baustellen zugenommen hat, kann die Stadtpolizei nicht sagen. Letztes Jahr wurden 406 800 Bussen für Übertretungen beim Parkieren ausgestellt, dies macht fast die Hälfte der 917 000 Ordnungsbussen aus. Im Jahr 2022 bewegten sich die Parkbussen im gleichen Bereich.
Die Stadt will möglichst viele Parkplätze in Velospuren umwandeln. Schön. Jetzt soll doch die Stadt bauen wie wenn sie alle Parkplätze in Velospuren umgewandelt hätte. Und plötzlich ist kein Platz für Baucontainer. Dumm gelaufen und wie immer: Nichts studiert.
René antworten«Vor Baustart wird geprüft, ob und wie viele Parkplätze zur Materiallagerung beansprucht werden müssen, dabei werden so wenige Parkplätze wie möglich aufgehoben» Das "aufgehoben" bezieht sich bestimmt auf die aufgehobenen Parkplätze nach dem Bau.
Hans Müller antworten
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