Er macht die Brunnen klar
Mischa König (52) ist einer von sieben Brunnenwarten der Stadt Zürich. Täglich putzt und flickt er Dutzende der Wasserspender. Das «Tagblatt» hat ihn dabei auf einer Tour begleitet. - Von Sacha Beuth
Mischa König (52) ist einer von sieben Brunnenwarten der Stadt Zürich. Täglich putzt und flickt er Dutzende der Wasserspender. Das «Tagblatt» hat ihn dabei auf einer Tour begleitet. - Von Sacha Beuth
Der Brunnen an der Ecke Ackerstein-Limmattalstrasse in Höngg bereitet Mischa König keine grossen Schwierigkeiten. Nachdem er die Klappe zu den Leitungen aufgeschlossen, diese auf Dichtheit kontrolliert und dann zugedreht hat, packt er flugs einen Schwamm, gibt etwas Kalkmittel darauf, und entfernt damit Algen und Laubflecken im Innenbereich des Brunnens. «Das ist ein Notwasserbrunnen, gut erkennbar am Becken aus Bronze. Bei diesem Typ von Brunnen geht die Reinigung meist sehr schnell», meint der 52-jährige Brunnenwart schmunzelnd in Richtung Autor, der seine Tour an diesem Tag für das «Tagblatt» begleitet.
Notwasserbrunnen? Benjamin Schenk, Mediensprecher der Wasserversorgung und ebenfalls mit von der Partie, liefert sogleich die Erklärung: «Von den rund 1200 Brunnen auf Stadtgebiet sind etwa ein Drittel dem Quellwassernetz und zwei Drittel dem regulären Trinkwassernetz angeschlossen. Die Quellwasserbrunnen, wozu auch die 80 Notwasserbrunnen zählen, funktionieren über das natürliche Gefälle und erfordern dementsprechend keinen Energieaufwand. Bei einem Stromausfall können diese die Bevölkerung Zürichs mit Wasser versorgen.» Den Aufgaben von König und den weiteren sechs städtischen Brunnenwarten kommt darum eine besondere Bedeutung zu.
König selbst hat seine Ausrüstung schon wieder zusammengepackt, die Leitungen am Notbrunnen geöffnet und sich auf seine Elektro-Motorrad geschwungen. Der nächste Brunnen wartet und König muss sich sputen, um seine Tagewerk zu vollbringen. Weil jeder Brunnen mindestens einmal pro Woche überprüft wird, absolvieren die sechs Brunnenwarte rund 41 600 Kontrollgänge pro Jahr.
Inzwischen hat König den Brunnen an der Ecke Limmattalstrasse/ Bauherrenstrasse erreicht. Wie üblich kontrolliert er auch hier erst den Wasserfluss und schaut, ob es nicht nicht irgendwo der Abfluss verstopft ist. «Leider kommt dies immer wieder vor. Mal weil auf natürliche Weise, etwas durch starken Laubfall oder geknickte Zweige. Viel öfter aber durch Vandalenakte, wenn Passanten Abfall oder andere Gegenstände bewusst in die Hähne oder Abflüsse quetschen oder den Brunnen versprayen.» Der Brunnenwart schüttelt den Kopf. «So etwas ist einfach traurig. Und auch nervig. Da gibst Du Dir solche Mühe, dass ein Brunnen wieder eine Falle macht und zwei Tage später ist erneut alles dreckig oder sogar kaputt.» Was natürlich Zusatzkosten nach sich zieht. «Kleinere, einfache Reparaturen kann ich selbst ausführen. Aber bei grösseren Dingen muss ich einen unserer Sanitäre aufbieten». Es gäbe aber glücklicherweise auch Personen, meist kleinere Kinder oder ältere Personen über 40, die seine Arbeit schätzen würden und auch fragen, was er denn da jeweils genau mache. Und es freut ihn auch, wenn im Sommer die Brunnen als Durstlöscher rege genutzt werden.
König schraubt nun die «Strümpfel» genannten Überlaufrohre ab und fängt schon mal an, die oberen Bereiche des Brunnens mit einer Bürste zu schrubben. «Dieser Brunnen ist einer der Übleren. Den muss man gut putzen, sonst wird der Stein immer dunkler». Gelegentlich werde der Einsatz von Javel nötig. «Aber da musst Du aufpassen, denn das nutzt die Metallhähne ab und kann in diese Löcher fressen.» Das Wasser ist nun abgeflossen und der Brunnenwart entfernt nun Laub und andere Fremdmaterialien und putzt darauf auch den Boden des Brunnens.
Der nächste Stopp erfolgt beim Brunnen Am Wettingertobel 38, wo ein kleines Fotoshooting die Arbeit unterbricht, und darauf nimmt sich König den Brunnen an der Tram-station Frankental vor. Dessen Anschlüsse sind im Untergrund angebracht. «Puah, die Sonne hat den Raum ganz schön aufgeheizt. Heiss wie in einer Sauna ist es hier», bemerkt König, als er über eine Leiter in die Tiefe hinabsteigt. «Aber das gehört halt dazu». In der Tat ist ein Brunnenwart von morgens 6 Uhr bis nachmittags um 15 Uhr täglich bei Wind und Wetter unterwegs. «Das kann im Sommer meist angenehm, aber an Wintertagen mit bis zu minus 14 Grad weniger». Dennoch liebt er seinen Job, den der gelernte Sanitär seit 23 Jahren ausübt. «Ich kann draussen sein. Ich kann selbständig arbeiten. Und ich kann Töff fahren», lacht König und macht sich, nachdem er diesen Brunnen ebenfalls auf Vordermann gebracht hat, zum nächsten Wasserspender seines Reiches auf.
Weitere Informationen:
www.stadt-zuerich.ch -> Umwelt- und Energie -> Wasser -> Trinkwasser -> Brunnen
Als jemand der sich an Brunnen gerne orientiert, sie als Kunstwerke immer wieder neugierig erkundet und im Sommer sich an ihnen sehr erfreut, finde es toll etwas über Menschen zu erfahren die sich um die Brunnen kümmern! Fast alles darum herum war mir unbekannt. Danke für den Einsatz sowie Bericht...
Vesna Koledar antwortenMit Interesse habe ich den Bericht über die Brunnen in Zürich und deren regelmässigen Unterhalt gelesen. Umso mehr erstaunt es mich, dass der Brunnen unterhalb der Klausstrasse schon seit Wochen nicht mehr sprudelt. Liegt ein irreparabler Schaden vor?
Emilio Leonardi antworten
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