Klein, aber äusserst lästig: Bettwanzen. Bild: Stadt Zürich
05.08.2025 16:48
Wenns im Gepäck krabbelt
Nach den Sommerferien können Reisende ungewollt Bettwanzen nach Hause bringen. Die blutsaugenden, nachtaktiven Insekten sorgen für lästige, juckende Stiche und verstecken sich tagsüber in Ritzen. Bei einem Befall hilft nur der Kammerjäger. - Von Clarissa Rohrbach
Bettwanzen sind unbeliebte Feriensouvenirs. Wer ins Ausland reist, kann ungewollt die kleinen Plagegeister in die eigene Wohnung bringen, wo sich diese dann einnisten. Die rotbraunen, vier bis sechs Millimeter langen Tiere verstecken sich in Ritzen und werden in der Nacht aktiv, indem sie das Blut ihrer Wirte saugen. Ein Befall macht sich durch rote, juckende Stiche am Körper bemerkbar. Die Bisse sind ungefährlich und übertragen auch keine Krankheiten. Doch Bettwanzen sind trotzdem ein lästiges Thema. Stellt man einen Befall fest, hilft nur noch die Hilfe von Profis.
Christian Zehnder, Betriebsleiter der Zürcher Schädlingsbekämpfungsfirma Ratex AG, hat im September, wenn die Leute aus den Ferien zurückkommen, am meisten zu tun. Er und sein Team setzen auf Spürhunde, um einen Befall von Bettwanzen festzustellen. Diese sind trainiert, um den süsslichen Geruch der Insekten zu erkennen. «Die Erfolgsquote bei der Suche mit Hunden liegt bei 96 Prozent, bei den Menschen hingegen nur bei 15 Prozent», sagt Zehnder. Danach wärmt der Profi die befallenen Räume mit einem Heizofen während 48 Stunden auf 55 bis 60 Grad auf, so dass die Bettwanzen und ihre Eier getötet werden.
Kein Insektenspray
Die thermische Behandlung sei die einzige effektive Waffe gegen Bettwanzen. Er rät Betroffenen dringend ab, Insektenspray zu versprühen. «Damit verbreitet man die Tiere nur in weitere Räume und treibt sie noch tiefer in die Ritzen.» Zehnder erklärt, dass der Name der Bettwanze irreführend sei. Zwar nisten sich diese vermehrt im Schlafraum ein, doch sie können überall in der Wohnung sein. So verstecken sie sich in gebrauchten Möbeln, im Bettgestell, an Nahtstellen an der Matratze, im Parkettboden, in Steckdosen, unter Tapeten oder unter dem Schrank.. «Nachts wandern die Bettwanzen dann von ihrem Versteck bis zu zehn Metern weit, um die Menschen zu stechen», sagt Zehnder.
Die Kosten für die Bekämpfung von Bettwanzen variieren bei den Anbietern zwischen 1000 und 3000 Franken. Wenn der Mieter diese in die Wohnung einschleppt, muss er selber bezahlen. Sind hingegen mehrere Wohnungen im gleichen Haus betroffen, ohne dass eine klare Ursache für Bettwanzen-Befall ausfindig gemacht werden kann, muss der Vermieter für die Kosten haften.
Die Verbreitung von Bettwanzen hat mit der zunehmenden Reisetätigkeit der Menschen zugenommen. Wurden in der Schweiz im Jahr 2017 noch 180 000 mit Bettwanzen befallene Räume behandelt, waren es 2019 schon 360 000.
Auch die Fachstelle für Schädlingsprävention der Stadt Zürich verzeichnet eine Zunahme der Beratungen. Während es im Jahr 2005 noch 17 Anfragen zu Bettwanzen gab, waren es im Jahr 2023 schon 107. «Meistens merkt man den Stich der Bettwanze, der im Schlaf erfolgt, nicht», sagt Gabi Müller, Leiterin der Schädlingspräventionsstelle. Die Hautreaktionen entstünden durch den injizierten Speichel. Laut Müller können Bettwanzen bis zu sechs Monate hungern, bis sie einen Wirt gefunden haben. Die Weibchen legen im Laufe ihres Lebens bis zu 500 Eier, die Entwicklungsdauer beträgt rund zwei Monate. Bettwanzen leben in der Regel ein Jahr lang. «Sind Bettwanzen bereits in der Wohnung, müssen sie durch eine professionelle Schädlingsbekämpfungsfirma bekämpft werden», sagt Müller.
Doch es gibt auch Tricks, um zu vermeiden, dass man Bettwanzen in die Wohnung einschleppt. So sollten Reisende den Koffer nicht in der Nähe des Betts öffnen und beim Bezug eines Hotelzimmers das Bettgestell und den Lattenrost mit einer Taschenlampe nach Bettwanzen genau untersuchen. Einen Befall erkennt man an kleinen dunklen Punkten, der Kot der Insekten, und an Blutspuren auf der Bettwäsche. Findet man Bettwanzen muss man unbedingt ein anderes Zimmer beim Hotelverantwortlichen verlangen.
Koffer draussen auspacken
Hat man bei der Rückkehr aus den Ferien bereits einen Verdacht auf Bettwanzen, sollte man den Koffer im Freien oder in der Badewanne auspacken. Die Kleider wäscht man am besten bei 60 Grad. Ist dies nicht möglich, kann man sie während mehrere Tage bei Minus 18 Grad im Tiefkühler lagern, die Kälte tötet die Bettwanzen ab. Der Koffer sollte mit einem feuchten Tuch gereinigt und mit Insektenspray behandelt werden. Einige Schädlingsbekämpfungsfirmen so wie die Ratex AG bieten an, dass Gepäck bei einem Verdacht mitzunehmen und mit Wärme zu behandeln.