05.08.2025 16:52
Ein gutes Klima schaffen
RATGEBER Hitzetage und Heisswetterperioden nehmen wegen des Klimawandels stetig zu. Damit steigt auch das Interesse und die Nachfrage nach Klimageräten. Zusammen mit Silvan Graf, Leiter Energieberatung für Privat- und GewerbekundInnen bei EWZ, gibt das «Tagblatt» Tipps zu Anschaffung und Einsatz. - Von Sacha Beuth
Unter welchen Bedingungen ist die Nutzung beziehungsweise der Einbau von Klimageräten oder Klimaanlagen sinnvoll?
Das kommt auf die persönliche Befindlichkeit und die Umstände an. Man kann hier keine fixen Werte, etwa bei der Temperatur, angeben. Grundsätzlich lautet die Antwort: Wenn keine anderen Massnahmen mehr greifen und die Gesundheit beeinträchtigt wird.
Was muss vor der Anschaffung beziehungsweise Installation beachtet werden?
Hier müssen wir zwischen mobilen Klimageräten und den sogenannten Split-Klimaanlagen, die fest installiert sind, unterscheiden. Mobile Klimageräten sind im Handel erhältlich und benötigen weder für den Betrieb noch für die Installation eine Bewilligung. Sie sind preiswert und in der Regel kann man sie einfach über die Steckdose anschliessen. Der Nachteil ist, dass sie nicht effizient sind, weil eine Öffnung nach draussen (offenes Fenster) nötig ist, um die Wärme über einen Schlauch abzuführen, wobei zugleich wieder warme Luft von aussen nach innen strömen kann. Auch reicht die Leistung oft nur für einzelne, meist kleinere Räumlichkeiten und die Luftumwälzung ist geringer. Für fest installierte Klimaanlagen sind Bewilligungen nötig. Zum einen die energetische Bewilligung (wurde das Energiegesetz eingehalten, ist ein aktiver Sonnenschutz vorhanden usw.), zum anderen der Lärmschutznachweis (sind Lärmemissionen im erlaubten Rahmen). Für beide ist in der Stadt Zürich das UGZ (Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich) zuständig. Zusätzlich braucht es eine Abklärung beziehungsweise ein Okay vom städtischen Amt für Baubewilligungen (Einfluss aufs Gebäudebild durch die kastenähnliche Ausseneinheit der Klimaanlage). Zudem muss die Installation durch eine Fachkraft (Elektriker) ausgeführt werden und das System inklusive Einbau ist relativ teuer. Dafür ist es effizienter als ein mobiles Klimagerät, die Leistung ist in der Regel stärker, die Stromkosten im Verhältnis geringer. Und es braucht nur ein kleines Loch in der Wand, über das die Wärme direkt nach draussen abgeführt wird.
Auf was ist beim Betrieb zu achten?
Dass man nur genutzte Räume und nicht unter 26 Grad kühlt. Und dass man die Anlage oder das Gerät erst einschaltet, wenn man den Raum nutzt. Ansonsten verschwendet man nur unnötig Energie, denn die Kühlung erfolgt meist relativ schnell.
Wann ist eher eine festinstallierte Klimaanlage und wann ein mobiles Klimagerät zu bevorzugen?
Wenn man als Wohneigentümerin oder Wohneigentümer überhaupt die Wahl hat und über genügend finanzielle Mittel verfügt, dann ist aus energetischer Sicht eine festinstallierte Klimaanlage zu bevorzugen. Die meisten in Zürich wohnhaften Personen sind aber Mieterinnen und Mieter, die gar keine Wahl haben.
In vielen, meist älteren Geschäftsgebäuden fehlen Klimaanlagen. Arbeiten bei über 30 Grad wird dann zur Tortur. Inwiefern steht der Arbeitgeber in der Pflicht, dem Abhilfe zu schaffen beziehungsweise eine Klimaanlage zu installieren?
Es gibt keine dahingehenden Vorschriften gegenüber dem Arbeitgeber und somit kein Anrecht des Arbeitnehmers darauf, dass im Büroeine Klimaanlage installiert wird. Einzig für schwangere und stillende Frauen kann es «hitzefrei» geben.
Ist generell die Installation einer Klimaanlage in Geschäftsräumen nicht sinnvoll, da damit sowohl geheizt wie gekühlt werden kann?
Man kann damit heizen. Allerdings ist es keine «angenehme» Heizung, da man von heisser Luft angeblasen wird. Zudem wird auf diese Weise mehr Energie benötigt als mit einer herkömmlichen Heizung.
Mit welchen Kosten hat man bei der Anschaffung einer Klimaanlage beziehungsweise eines Klimageräts zu rechnen?
Mobile Klimagerät gibt es ab 200 Franken. Fest installierte Klimaanlagen inklusive Montage durch den Elektriker ab 3000 Franken – Bewilligung nicht miteingerechnet. Wenn man zusätzliche Leitungen ziehen muss, kostet es noch mehr.
Welche Alternativen zur Kühlung einer Räumlichkeit gibt es?
Erstens: Sonneneinstrahlung verhindern, indem man Storen herunterlässt beziehungsweise schliesst. Zweitens: Interne Wärmequellen eliminieren, also kurze Kochzeiten, Backofen und generell elektrische Geräte möglichst nicht benutzen. Drittens: Stosslüften in der Nacht oder die Fenster über Nacht offen lassen und bei Sonnenaufgang wieder schliessen. Und viertens: Einen Ventilator anschaffen (gilt auch fürs Büro), der deutlich weniger Strom braucht als eine Klimaanlage. Allerdings können diese Massnahmen nicht immer ausreichend sein.