Der Sack fürs Plastik
Zürcher können Plastik mit dem neuen Recybag separat entsorgen. Die Stadt arbeitet dafür mit Detailhändlern zusammen und verzichtet auf eigene Container. - Von Clarissa Rohrbach
Nun kann auch in Zürich Plastikabfall separat gesammelt werden. Recybag
Zürcher können Plastik mit dem neuen Recybag separat entsorgen. Die Stadt arbeitet dafür mit Detailhändlern zusammen und verzichtet auf eigene Container. - Von Clarissa Rohrbach
195 000 Tonnen Plastikabfall landen in der Schweiz jährlich im Güselsack. Dies soll sich mit dem Recybag ändern. Der Sammelsack für Plastikverpackungen wie Shampooflaschen, Zahnpastatuben und Joghurtbecher sowie Getränkekartons hat im Juli Zürich erobert. Damit kann man Plastik genauso wie Glas, Metall und PET separat entsorgen und das Recycling fördern. Erhältlich sind die Säcke bei Detailhändlern, 35 Liter-Säcke kosten Fr. 1.60. Die vollen Säcke können bei den Detailhändlern wieder abgegeben werden.
Nur bei Coop ist die Entsorgung von sogenannten PE-Flaschen nicht mehr gratis. Es lässt sich vermuten, dass Coop keine Mehr-kosten schultern will. Laut Sprecher Kevin Blättler kann die Bevölkerung klassische Gebührensäcke einsparen, das gleiche die fehlende Gratisabgabe aus. Bei den anderen Detailhändlern wie Migros, Lidl und Aldi können Kunden hingegen ihre Plastikflaschen weiterhin kostenlos zurückbringen.
Für den Verkauf von Recybags braucht die Branchenorganisation Recypac eine Konzession der Stadt. Denn die Kunststoffsammlung ist Sache der einzelnen Gemeinden. Die Stadt ermöglicht es seit Sommer 2022, Plastikflaschen bei den Detailhändlern abzugeben. Durch die Zusammenarbeit greift man laut Maria Colon, Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), auf die Logistik- und Sammelinfastruktur des Detailhandels zurück, dies sei kosteneffizient und ökologisch. Mit der Konzessionserteilung an Recypac soll das Netz teilnehmenden Filialen ausgebaut werden.
Bisher verkaufte jeder Laden einen anderen Sammelsack für Plastik. Mit dem Recybag entsteht ein schweizweit einheitliches System. «Wir begrüssen ein einheitliches Kreislaufsystem», sagt Maria Colon, «dadurch wird es für die Konsumentinnen und Konsumenten einfacher, Kunststoff separat zu sammeln». Je mehr Plastik recycelt werde, desto weniger Kunstsoff müsse hergestellt werden, das entspreche auch dem städtischen Netto-Null-Ziel. Plastik-Sammelcontainer auf öffentlichem Grund sind für die Stadt keine Option. Laut Maria Colon hat man im Jahr 2020 einen Versuch mit einer Kunststoffsammlung an Wertstoffsammelstellen in zwei Stadtkreisen durchgeführt. Dabei stellte man fest, dass der logistische Aufwand für eine separate Plastiksammlung sehr gross gewesen wäre. «Es hätte sehr viele zusätzliche Lastwagenfahrten benötigt», sagt Maria Colon. Deswegen habe sich die Stadt entschieden, auf die Synergien mit dem Detailhandel zu setzen, das verursache auch weniger zusätzlichen Verkehr.
Die Branchenorganisation Recypac ist mit der Verbreitung der Recybags sehr zufrieden. Die Sammelsäcke sind seit Januar erhältlich, unter anderem in einzelnen Gemeinden in den Kantonen Zürich, Bern, Basel-Stadt, Freiburg, Graubünden, Waadt, St. Gallen und Schaffhausen. Stand heute sind diese für rund 1,4 Millionen Personen verfügbar. «Von 0 auf rund 1,4 Millionen Personen innerhalb von acht Monaten entspricht unseren Erwartungen», betont Geschäftsführerin Odile Inauen.
Der Bundesrat hat soeben die Umsetzung einer Motion von Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG) in die Vernehmlassung geschickt, die ein schweizweit einheitliches und flächendeckendes Recycling von Plastikverpackungen fordert. «Mit einer raschen Inkraftsetzung der Verpackungsverordnung werden wir künftig keine Konzession mehr benötigen, und die Einführung der Recybag-Sammlung wird erleichtert und beschleunigt», so Odile Inauen. Das Ziel von Recypac ist es, die Plastiksammlung flächendeckend in der ganzen Schweiz aufzubauen. Auf der Webseite recybag.ch sind die aktuellen Verkaufs- und Sammelstellen aufgeführt.
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