Kampf gegen Airbnb
Zürcher Politiker sowie Städterinnen und Städter wehren sich gegen steigende Mieten. Wohnungen, die auf Plattformen wie Airbnb zu absurd hohen Preisen angeboten werden, wollen sie regulieren. - Von Ginger Hebel
Zürcher Politiker sowie Städterinnen und Städter wehren sich gegen steigende Mieten. Wohnungen, die auf Plattformen wie Airbnb zu absurd hohen Preisen angeboten werden, wollen sie regulieren. - Von Ginger Hebel
«Plattformen wie Airbnb, HITrental und Co. vernichten wertvollen Zürcher Wohnraum. Sie werden oft zu horrenden Preisen für ein paar Tage oder Wochen vermietet. Dadurch schiessen die Preise für normale Mietwohnungen zusätzlich in die Höhe», enerviert sich SP-Kantonsrat Tobias Langenegger. Zürcher Politiker wollen das nicht länger akzeptieren. Letzte Woche hat die SP gemeinsam mit Grünen und AL ihre städtische Initiative «Wohnraum schützen – Airbnbs und Business Apartments regulieren» mit rund 4000 Unterschriften eingereicht.
Neue Zahlen zeigen: In Zürich werden immer mehr Wohnungen als Business Apartments oder über Plattformen wie Airbnb vermietet – zu absurd hohen Preisen, wie das Beispiel eines Business Apartments für 12 500 Franken pro Monat zeigt. In Zürich sind es rund 7000 Wohnungen, die kurzzeitig vermietet werden.
«In den letzten 20 Jahren haben sich die Mieten in der Stadt Zürich fast verdoppelt. Immer mehr Wohnungen gehören Immobilienkonzernen, Banken und dubiosen AGs, die immer unanständigere Renditen erzielen. Diese Ent-wicklung gilt es zu stoppen», sagt Sibylle Kauer, Co-Fraktionspräsi-dentin der Grünen. Sie ist selbst im Kreis 1 wohnhaft. «Hier ist das Problem besonders akut. Sehr viele Wohnungen werden zu überrissenen Preisen auf Airbnb ausgeschrieben.»
Zürich soll nachziehen
Hinter Airbnb stecken oft keine Privatpersonen sondern Firmen, die hohe Renditen erzielen. Laut To-bias Langegger müsste man dies unterbinden. «Städte wie Luzern, Barcelona, London oder San Francisco kennen bereits Regulierungen in Bezug auf Airbnbs und Business Apartments – in Zürich müssen wir endlich nachziehen.» Mit einer Obergrenze von 90 Tagen pro Jahr soll die private Vermietung eines Zimmers während der Ferien mit der Annahme der Airbnb-Initiative weiterhin möglich sein. Aber: «Immobilienfirmen können so nicht mehr Zürcher Wohnraum zerstören, indem sie normale Wohnungen zu teuren Business-Apartments umfunktionieren», betont Langenegger. Bereits seit 2024 schränkt eine überarbeitete Bau- und Zonenordnung gewerbliche Kurzzeit-vermietungen in Wohnzonen ein. Das Verwaltungsgericht hat zudem entschieden, dass Business-Apartments nicht mehr zum Mindestwohnanteil angerechnet werden dürfen. Das Angebot in der Stadt Zürich ist mit rund 2250 Objekten auf Airbnb riesig – vom City-Apartment mit Dachterrasse und Blick auf die Limmat, über die Neubauwohnung mit Loggia in einem Hochhaus in Oerlikon, bis hin zu einer Loft im Industriequartier.
Zürich Tourismus teilt auf Anfrage mit, die Stadt sei als Destination auf ein vielfältiges Unterkunftsangebot angewiesen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Gästen gerecht zu werden. «Gerade Familien, junge Städtereisende und Individualtouristen mit kleinerem Budget suchen gezielt nach alternativen Übernachtungsformen. Als Tourismus-Organisation begrüssen wir deshalb ein breites Angebot, zu dem auch Ferienwohnungen gehören», sagt Thomas Wüthrich, Direktor Zürich Tourismus. Gäste, die in solchen Unterkünften übernachten, bleiben im Durchschnitt rund vier Nächte. «Das unterstützt unser Ziel, die Aufenthaltsdauer zu erhöhen: Wir wollen nicht mehr Gäste, sondern Gäste, die länger bleiben – ein wichtiger Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus», betont Thomas Wüthrich.
Sibylle Kauer findet vor allem problematisch, dass die vielen Wohnungen, die über Airbnb angeboten werden, die Wohnungen aus dem Markt nehmen. «Die Wohnungsnot in Zürich ist ohnehin schon akut. Airbnb verknappt das Angebot weiter und treibt die Preise noch mehr in die Höhe. Darum braucht es Einschränkungen.»
Es sollten zumindest gleich lange Spieße für Airbnb gelten wie für die Hotellerie, MwSt, Meldepflicht und Ausweisplicht, Logiernächte-taxen und Sicherheitsstandards.
Beat Leonhard antworten
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