Streit um Schulweg
Vielbefahrene Strassen und Trams: der Weg in die Schule Nordstern in Seebach ist in den Augen von Eltern und Politikern «unzumutbar». - Von Ginger Hebel
Der Weg in die Schule Nordstern (r.) führt über mehrere Strassen. Für kleine Kinder sei das zu gefährlich. Eltern und Politiker fordern Lösungen. Bild: GH
Vielbefahrene Strassen und Trams: der Weg in die Schule Nordstern in Seebach ist in den Augen von Eltern und Politikern «unzumutbar». - Von Ginger Hebel
«Tagblatt»-Leserin Marla Keller ist besorgt um ihre kleine, schulpflichtige Tochter. Die vierjährige Nina besucht seit August den Kindergarten im Schulhaus Nordstern an der Thurgauerstrasse in Zürich-See-bach. Das Problem: der Schulweg. Die Familie wohnt im Andreaspark, ein Wohnquartier in Leutschenbach, an der Grenze zu Schwamendingen und Oerlikon. Um in die Schule zu gelangen, müssen Kinder die befahrene Hagen-holz-, Leutschenbach- und Thurgauerstrasse überqueren. «Unzumutbar und gefährlich», findet Marla Keller. Viele Eltern sehen es genauso wie sie. Sie machen sich in der IG Andreaspark und IG Grubenacker für einen sicheren Schulweg stark.
«Dieser Schulweg ist für so kleine Kinder schlicht nicht machbar», bringt es der Stadtzürcher FDP -Gemeinderat Thomas Hofstetter auf den Punkt. Mit Partei-Kolleginnen und -Kollegen fordert er von der Stadt eine bessere Zuteilung. Hofstetter ist selbst Vater zweier Kinder im Alter von 5 und 8 Jahren. «Es ist ja richtig, dass man Kinder zur Selbständigkeit erzieht. Aber das funktioniert nur, wenn sichere Wege gegeben sind. Müsste mein Kleinster diesen Schulweg gehen, ich hätte Angst um ihn.» Im August 2024 eröffnete die Tagesschule Nordstern unter dem Namen «Thurgauerstrasse». Sie gehört in den Schulkreis Glattal. Seit Januar verzeichnet das Schulhaus einen starken Wachstum aufgrund der neuen Wohnsiedlung Souq. Der öffentliche Gestaltungsplan sah vor, dass Kindergartenkinder, die das Schulhaus Nordstern besuchen, ausschliesslich aus dem Areal Thurgauerstrasse stammen. «Die Realität sieht aber anders aus», enerviert sich die Zürcher FDP-Gemeinderätin Sabine Koch. Geplant war, dass Kinder aus Leutschenbach und vom Andreaspark in einen der vier Kindergartenklassen der neuen städtischen Siedlung Souq zugeteilt werden. Seit dem aktuellen Schuljahr werden jedoch auch einige dieser Kinder in den Nordstern geschickt sowie Kinder aus dem Grubenacker in den Kindergarten Leutschenbach. Begründung seitens Stadt und Schulleitung: soziale Durchmischung.
Sicherer Weg im Fokus
Das Reglement über die Zuteilung der Schülerinnen und Schüler der Volksschule Stadt Zürich sieht vor, dass Kinder in dem Schulkreis schulpflichtig sind, indem sie wohnen. Aus besonderen Gründen ist es ausnahmsweise möglich, einzelne Schülerinnen und Schüler der Regelklasse einem anderen Schulkreis zuzuteilen. Erforderlich ist das Einverständnis beider beteiligter Schulpräsidentinnen bzw. Schulpräsidenten. Eltern, die aus persönlichen Gründen die Zuteilung ihres Kindes in ein bestimmtes Schulhaus oder zu einer bestimmten Lehrperson wünschen, können ein Zuteilungsgesuch bei der Kreisschulpflege stellen. Ein Anspruch auf Gutheissung besteht nicht. «Ein sicherer Schulweg muss im Vordergrund stehen, auch wenn die Zuteilung schulkreisübergreifend stattfinden muss. Kleine Kinder können Gefahren im Strassenverkehr noch nicht einschätzen», sagt Sabine Koch. Auch ihr Vorschlag einer provisorischen Passerelle wurde bisher nicht umgesetzt. Es gibt Einsprachen.
«Die Zuteilung von Kindern in die Volksschulen ist für Familien von grosser Bedeutung», sagt GLP-Gemeinderätin Serap Kahriman. Sie befindet sich im Gespräch mit Eltern, die sich über die oft nicht nachvollziehbare Zuteilung aufregen. «Vielen sind die Hände gebunden. Auch, weil die Zuteilung oft kurzfristig erfolgt.» Sie fordert mehr Transparenz. Im Jahr 2024 verunfallten laut Bundesamt für Strassen 455 Kinder auf dem Weg zur Schule. In der Stadt Zürich ereigneten sich 15 Unfälle.
Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch
Es ist schon einfach fatal, wie die Behörden sich derart stur zeigen. Durch Zuteilung der Kinder in ein anderes Schulhaus über die Schulkreisgrenzen hinweg wäre das Problem schnell gelöst. Dazu braucht es aber einen pragmatischen Entscheid und keine Verwaltungsbürokratie. Im Gemeinderat hätte ich es mir jüngst gewünscht, dass auch grünliberale Kräfte zu einem solchem Entscheid gestanden wären.
Roger Tognella antworten
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