38 Lernende zwischen Stuhl und Bank
Wegen schwacher Auftragslage ist das Schreiner Ausbildungszentrum Zürich in finanzielle Schieflage geraten. Ohne Hilfe von aussen droht 38 Lernenden darum der Verlust der Lehrstelle. - Von Sacha Beuth
Wegen schwacher Auftragslage ist das Schreiner Ausbildungszentrum Zürich in finanzielle Schieflage geraten. Ohne Hilfe von aussen droht 38 Lernenden darum der Verlust der Lehrstelle. - Von Sacha Beuth
Die Stimmung im Schreiner Ausbildungszentrum Zürich SAZ an der Gerechtigkeitsgasse 12 ist erstaunlich gut. Frohgemut gehen die aktuell 38 Lernenden mit Hilfe ihrer Ausbildner ihren Aufgaben nach. Sie schreinern an Schränken, Eingangstüren, Tischen und sogar Ruderbooten. Dabei hätten die Lehrlinge allen Grund für sorgenvolle Mienen. Denn die finanzielle Lage des SAZ ist nicht rosig. Ohne substanzielle und wiederkehrende Unterstützung von aussen droht ab Sommer 2026 die Schliessung des Zentrums und somit den Lehrlingen – und den übrigen 9 Mitarbeitenden – der Verlust des Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsplatzes.
Hauptursache ist die seit Jahren schwankende und im letzten Jahr rückläufige Auftragslage. «Entgegen dem Eindruck, den unser Name vielleicht vermittelt, handelt es sich beim SAZ nicht um eine staatliche Institution, sondern um einen von einer Genossenschaft betriebenen privatwirtschaftlichen Betrieb. Das heisst, wir müssen uns vorab selbst finanzieren», erklärt Corinne Hansen, Verantwortliche Marketing und HR.
2017 war dies noch anders. Bis dahin wurde die 1889(!) gegründete Lernstätte, die damals noch Kantonale Lehrwerkstatt für Möbelschreiner hiess, vom Kanton geführt, der auch Hauptauftraggeber war, dann aber infolge eines Sparprogrammes aufgegeben. «Zum Glück sprangen Branchenvertreter ein und retteten die Institution, indem sie eine Genossenschaft gründeten», erzählt Christian Aggeler, Co-Geschäftsführer des SAZ. Doch dies reichte auf die Dauer nicht aus, so dass man im Sommer 2025 erneut vor dem Aus stand. «Mit einem Crowdfunding und weiteren Privatspenden konnten wir über 300 000 Franken sammeln und so den Betrieb absichern. Doch es ist klar, dass es eine dauerhafte Unterstützung von aussen braucht», sagt Hansen. Im Kantonsrat wurde ein entsprechendes Postulat eingereicht, das am 12. Januar behandelt wurde, jedoch keine Mehrheit fand. Mehr Empathie für die Schreiner-Lehrlinge zeigte der Gemeinderat, der Ende Oktober letzten Jahres gleich zwei dahingehende Postulate mit grosser Mehrheit annahm und das Geschäft an das Sozialdepartement von Vorsteher Raphael Golta überwies. Dessen Medienstelle ging auf konkrete Fragen des «Tagblatt» nach einer möglichen Unterstützung nicht ein, sondern schrieb lediglich, dass man die überwiesenen Postulate prüfe und anschliessend beantworte.
Derweil ist man beim SAZ nicht untätig und sucht weiter nach Geldgebern, wie etwa gemeinnützigen Stiftungen. Bereits gab es Zusagen und die Gespräche verlaufen hoffnungsvoll. «So oder so wären wir aber sehr dankbar um eine Unterstützung durch die Stadt», sagt Hansen. «Wir sind in einer städtischen Liegenschaft eingemietet, welche in die Jahre gekommen ist, sich für unseren Betrieb jedoch bewährt hat. Darum würde es uns zum Beispiel sehr helfen, wenn man uns den jährlichen Mietzins von rund 100 000 Franken erlassen würde. Für damit verbundene Auflagen seitens der Stadt ist das SAZ grundsätzlich offen.» «Oberstes Ziel aber bleibt, dass wir die hohe Qualität der Ausbildung halten», betont Aggeler.
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echo@tagblattzuerich.ch
Das ist so, aber es wird bald eine Lösung geben, ist ja in der Stadt Zürich.
Kasper antwortenVielleicht wäre es möglich, sich bekannter zu machen bei zukünftiger Kundschaft! Durch den hoffentlich erlassenen Mietzins etwas Eigenwerbung zu schalten?! Viel Power wünsche ich für die Zukunft 💪💪💪
Monika Horowitz antworten
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