Fussball unter Druck
Der geplante Fussballplatz auf dem Hönggerberg soll den SV Höngg entlasten. Doch er liegt in der Gefahrenzone des angrenzenden Schiessplatzes. - Von Ginger Hebel
Ein begrünter Schutzwall trennt den Fussballplatz auf dem Hönggerberg vom Schiessgelände. Dessen Verlängerung ist ein Anliegen im Quartier. GH
Der geplante Fussballplatz auf dem Hönggerberg soll den SV Höngg entlasten. Doch er liegt in der Gefahrenzone des angrenzenden Schiessplatzes. - Von Ginger Hebel
Die Nachfrage nach Trainings- und Spielmöglichkeiten beim SV Höngg ist so gross wie nie. Der Verein platzt fast aus allen Nähten. Für Präsident Martin Gubler und seine Frau Barbara, Frauen- und Juniorinnenverantwortliche, die seit über 20 Jahren Jugendliche trainiert, ist die Situation belastend. «Wir führen Wartelisten. Oft rufen Eltern an, deren Kinder erst drei Jahre alt sind, nur damit sie in drei Jahren einen Platz haben. Aber wir sind ausgelastet, uns fehlt der Platz. Dabei würden wir gerne mehr Kinder aufnehmen», sagen Martin und Barbara Gubler.
Ein zusätzliches Fussballfeld auf dem Grundstück «Allmend Hönggerberg» könnte Entlastung bringen. Es benötigt jedoch eine Teilrevision der Nutzungsplanung, welche aktuell beim Amt für Städtebau in Erarbeitung ist. Im konkreten Bauprojekt gibt es betreffend Nutzbarkeit noch Hindernisse. Teile des künftigen Fussballfeldes liegen in der Gefahrenzone des Schiessplatzes. «Die Benutzung des Rasenspielfelds soll während des Schiessbetriebs verboten sein. Der Platz wäre also nur ausserhalb der Schiesszeiten nutzbar. Das ist für uns ein Problem. Die Kinder spielen abends oder am Wochenende – dann, wenn auch die Schützen schiessen», so Gubler.
Sicherheit und Lärmschutz
Für die Führung des SV Höngg ist die Situation ärgerlich: «Wir wollen einfach, dass die Kinder Fussball spielen können.» Auch der Stadtzürcher GLP-Gemeinderat Ronny Siev fordert in einer Motion zusammen mit Andreas Egli von der FDP ein zusätzliches Fussballfeld mit ökologisch wertvollen Schutzelementen. «Mit einer Verlängerung des Schiesswalls oder einer sonstigen Schutzeinrichtung kann die Nutzungszeit des Fussballplatzes erheblich erhöht werden. Auch die Lärmbelastung für die Höngger Bevölkerung würde reduziert», so Siev. Es sei schade, wenn ein beliebter Club jedes Jahr viele Kinder abweisen müsse, weil es zu wenig Platz gibt.
Ein begrünter Schutzwall trennt den bestehenden Fussballplatz vom Schiessgelände. Dessen Verlängerung ist seit über 20 Jahren ein Anliegen der Schiessplatzgenossenschaft Höngg. «Sie würde vor allem der Entlastung der Wohnbevölkerung im Quartier Riedhof dienen», sagt Roland Spitzbarth von der Schiessplatzgenossenschaft Höngg. Zwar wurde der Mündungsknall des Schiessstandes 2017 gedämpft, doch der Überschallknall der Geschosse breite sich weiterhin über rund 300 Meter aus und werde bei Nordwind in den Riedhof getragen. «Die Wallverlängerung könnte dies abmildern und möglicherweise gleichzeitig den Fussballbetrieb ermöglichen», so Spitzbarth. Allerdings müsste dafür die Sicherheitszone angepasst werden. Der Fussballverein erfüllt nach eigenen Angaben auch einen sozialen Auftrag. Die Nachfrage ist zuletzt weiter gestiegen – unter anderem im Zuge der Frauenfussball-EM. Rund 400 Jungen und 200 Mädchen spielen beim SV Höngg, insgesamt zählt der Verein etwa 1000 Mitglieder.
Auch stadtweit übersteigt in Zürich die Nachfrage nach Fussballplätzen das verfügbare Angebot. Die Stadt verfolgt Ansätze, um die Situation zu verbessern: So werden Kurse auf Schulanlagen durchgeführt, die ausserhalb der Schulzeiten nicht ausgelastet sind. «Zudem werden bestehende Naturrasenplätze in Kunstrasenplätze mit Beleuchtung umgewandelt, um mehr Nutzungsstunden zu ermöglichen», sagt Hermann Schumacher vom Sportamt. Neben dem Platz auf dem Hönggerberg ist noch einer im neuen Sportzentrum Oerlikon geplant. Tanja Huber von Grün Stadt Zürich sagt: «Zum Fussballplatz Allmend Hönggerberg läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie. Wenn diese abgeschlossen ist – voraussichtlich vor den Sommerferien – kann über das weitere Vorgehen informiert werden.»
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