03.03.2026 16:28
Die Schweiz entdeckt Zürich
Zürich und Umgebung waren im letzten Jahr ein äusserst beliebtes Reiseziel und verzeichneten für 2025 den Rekordwert von 7,56 Millionen Logiernächten. Insbesondere Freizeitgäste aus dem Inland sowie aus Grossbritannien zog es in die Limmatstadt – unter anderem wegen der Women's Euro. - Von Sacha Beuth
Die Jahresmedienkonferenz am letzten Mittwoch zur Bilanz der Tourismusregion Zürich für 2025 konnte man durchaus als Gute-Laune-Event bezeichnen. Jedenfalls strahlten Thomas Wüthrich, Direktor von Zürich Tourismus, und Michael Böhler, Präsident Zürcher Hotellerie, um die Wette, als sie die neusten Zahlen in der Bar Au Premier im Hauptbahnhof präsentierten. Mit gutem Grund. Sage und schreibe 7 556 846 Logiernächte konnten letztes Jahr für den Grossraum Zürich (der von Baden und Winterthur über die Stadt Zürich bis Rapperswil und Zug reicht) verzeichnet werden – ein neuer Höchstwert und ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent. Derweil liegt die Zunahme für die ganze Schweiz «nur» bei 2,6 Prozent.
Besonders auffällig: Die Zunahme inländischer Gäste in der Tourismusregion Zürich stieg um 4,8 Prozent gegenüber 2024, womit dieser Herkunftsmarkt nun fast zwei Fünftel (38,7 Prozent) der Logiernächte einnimmt. Je knapp ein Drittel stammt aus europäischen Nahmärkten und aus Fernmärkten. «Man könnte sagen: Die Schweiz entdeckt Zürich», witzelte Wüthrich.
Europäer kehren zurück
Innerhalb der Herkunftsdestinationen zeigt sich, dass gerade der Freizeittourismus zugenommen hat, derweil die Zahl der Geschäftsreisenden sich laut Wüthrich «auf einem stabilen Niveau entwickelt». Besonders Zugpferde sind beziehungsweise waren nebst der Nähe zu den Bergen beständige Attraktionen wie der See, Museen und der Zoo Zürich sowie Events wie die Konzerte von Weltstars oder die Women's Euro, die Fussball-EM der Frauen. Letztere zog laut Wüthrich vor allem britische Gäste nach Zürich. Deren Zahl stieg von 299 994 im Jahr 2024 auf 324 525 im Jahr 2025, was einem Zuwachs von 8,2 Prozent entspricht. Damit weisen sie die höchste Zuwachsrate innerhalb der europäischen Nahmärkte auf. «Wobei aber auch andere europäische Märkte zum Wachstumskurs zurückgekehrt sind. Etwa Deutschland mit einem Plus von 3,6 Prozent und Italien mit einem Plus von 6,4 Prozent», ergänzte Wüthrich.
Des Weiteren habe sich auch der positive Trend aus den USA und Kanada fortsetzen können. Mit einem Wachstum von 4,5 Prozent und einem Marktanteil von 13,5 Prozent bleiben Gäste aus Nordamerika (ohne Mexiko) die zweitgrösste Besuchergruppe für die Region Zürich. Und dies trotz des in den letzten Jahren immer stärker gewordenen Frankens. «Wir haben festgestellt, dass bei Touristen aus den USA und Kanada der Währungsunterschied weniger ein Thema ist. Mehr Sorgen bereitet uns, dass sich insbesondere US-Amerikaner in Europa wegen befürchteter Anfeindungen im Zusammenhang mit der Trump-Regierung nicht mehr wohlfühlen und darum künftig auch der Schweiz fernbleiben», sagte Wüthrich.
Bei all den Erfolgsmeldungen gab es aber auch ein paar Wermutstropfen zu verkraften. So entwickelte sich der Grossteil des asiatischen Marktes rückläufig. Für Südostasien verzeichnete man ein Minus von 8,8 Prozent, Indien schlug mit einem Minus von 2,8 Prozent zu Buche und bei den Golfstaaten gab es einen Rückgang von 6,2 Prozent. Letzterer ist besonders schmerzlich, da diese Gästegruppe als sehr ausgabefreudig gilt.
«Grundsätzlich ist es unser Ziel, Zürich als lebenswerte Premium-destination weiterzuentwickeln. Statt Quantität wollen wir die Aufenthaltsdauer und die Wertschöpfung pro Gast steigern», betonte Wüthrich. Michael Böhler nickte zustimmend und ergänzte: «Unser Fokus liegt bei den Übernachtungen auf den höher klassifizierten Unterkünften. Dennoch wollen wir weiterhin auch für Personen mit kleinerem Budget genügend Angebote offerieren». Ein Indiz, dass die Überlegung aufgeht, könnten die Belegungszahlen in den Hotels sein. Für 2025 wiesen die 5-Sterne-Herbergen zusammen mit den 2-Sterne-Unterkünften die höchste Auslastung vor.