Ginger Hebel
Neulich erzählte mir eine Freundin vom Druck, der heute schon auf Fünftklässlern lastet: Gymiprüfung, Nachhilfe, Förderprogramme. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Nerven. Gute Noten genügen längst nicht mehr – das Kind muss auch wollen. Doch müssen wirklich alle diesen Weg gehen? Nicht jedes Kind ist am Gymnasium richtig aufgehoben. Und nicht jedes muss studieren, um später «etwas zu werden». Künstliche Intelligenz stellt vieles auf den Kopf – schneller, als einem lieb ist. Ausgerechnet Akademikerinnen und Akademiker spüren das zunehmend: Ein Studium garantiert keinen Job. Gleichzeitig erleben Handwerksberufe eine stille Renaissance. Fähigkeiten, die noch nicht automatisierbar sind, gewinnen an Wert. Karriereberater prophezeien eine glorreiche Zukunft: Wer mit den Händen arbeitet, hat plötzlich einen Vorteil. Und doch werden junge Menschen weiter Richtung Uni gedrängt – mit Druck und Erwartungen. Dabei wissen viele noch gar nicht, wer sie sind und was sie wollen, erst recht nicht im Jugendalter. Vielleicht müssen wir neu definieren, was wir fördern: weniger reines Wissen, sondern Dinge, die Maschinen nicht können – kreatives Denken, kritisches Hinterfragen, eigenständige Urteilsfähigkeit.
Ginger Hebel, Redaktorin