Am Hauptsitz des Grasshopper Club an der Schifflände 5 ist man bei Fragen rund um die Fangewalt kurz angebunden. Bild: Iaco Salvioni
28.04.2026 17:08
Schweigen und Hoffen
Die Ausschreitungen der GC-Fans beim Cupspiel in Lausanne beeinflussen die Suche nach einem Stadion für eine Barrage. Obwohl Fangewalt ein immer grösseres Problem für GC wird, will man sich zu konkreten Massnahmen nicht äussern. - Von Sacha Beuth
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und tatsächlich kann es noch sein, dass der Grasshopper Club sich in den letzten vier Runden der Relegationsgruppe den Verbleib in der Super League sichert, ohne in die Barrage zu müssen. Wahrscheinlicher aber ist, dass genau dies eintrifft. Und dann hat GC ein Problem. Denn das Rückspiel, an dem der Super-League-Vertreter Heimrecht hat, ist auf den 23. Mai angesetzt. Doch zu diesem Zeitpunkt ist der Letzigrund bereits durch Aufbauarbeiten für ein Konzert besetzt. Ein Abtausch der Spieldaten mit Vaduz oder Aarau, den möglichen Barrage-Kandidaten aus der Challenge League, scheint laut «Blick» wenig wahrscheinlich. Und eine Anfrage an den FC Lugano, das Spiel im dortigen Stadion auszutragen, wurde von diesem zwar gutgeheissen, von der Tessiner Kantonspolizei jedoch abgewiesen. Als Begründung für die Absage wurden die Ausschreitungen beim Cup-Halbfinal zwischen Stade Lausanne-Ouchy und GC am 18. April genannt. An diesem Tag hatten Anhänger der Hoppers unter anderem im Stadion Feuerwerk aufs Spielfeld geworfen, den eigenen Teambus mit Pyros und Absperrgittern attackiert, weitere Sachbeschädigungen im Stadion begangen, sich nach Spielschluss unerlaubt aufs Spielfeld begeben und waren von dort bis zu den Garderoben vorgedrungen. Zudem sollen nach Angaben einiger Medien die Kassen von Catering-Stationen geplündert worden sein.
Verständlich also, dass man in Lugano keine Lust auf derlei Chao-tentum hat. Unverständlich dagegen, wie zurückhaltend der Grasshopper Club und ein (friedlicher) Teil seines Anhangs auf die Vorfälle und auf das Problem der Fangewalt insgesamt reagieren. Zumal durch die Ausschreitungen nicht nur das Image des Vereins negativ beeinträchtigt wurde, sondern auch Sanktionen (namentlich durch die Swiss Football League) nicht ausgeschlossen werden können.
So verwies man beim Rekordmeister auf Fragen, welche Massnahmen getroffen werden müssen, damit sich derlei Vorfälle nicht wiederholen, warum man keine konkreten Sanktionen für die fehlbaren Fans angekündigt habe und was man aktuell zur Einführung von personalisierten Tickets halte, auf ein offizielles Vereinsstatement vom 19. April. In diesem wurden oben genannte Fragen jedoch nicht beziehungsweise nur mit Allgemeinplätzen beantwortet. Die Hoppers liessen lediglich verlauten, dass «dieses Verhalten beschämend und in keiner Weise akzeptabel» sei. Man verurteile den Angriff aufs Schärfste und sei «in engem Kontakt mit den Sicherheitsbeauftragten, um den Vorfall näher aufzuklären und etwaige rechtliche Schritte einzuleiten.» Auch sei eine detaillierte Aufarbeitung gemeinsam mit Fanvertretern eingeleitet worden.
Die von GC online aufgeführten Fanklubs – sowie das von GC, Stadt und Kanton finanziell unterstützte Fanprojekt GCZ – hüllten sich allerdings in Schweigen und liessen die Fragen des «Tagblatts» unbeantwortet. Bis auf eine Ausnahme. Ein Fanklub schrieb, man sei über die aktuelle Situation beunruhigt, grenze sich aber strikt von der Kurve ab. Man habe sich aber zum eigenen Wohl dazu entschieden, nicht in der Öffentlichkeit auszusagen.
Ihre Meinung zum Thema?
echo@tagblattzuerich.ch
In einem am Dienstag veröffentlichten Statement nehmen die Besitzer der Grasshopper Fussball AG, der Los Angeles Football Club LAFC, Stellung zur sportlichen Misere von GC. Dabei erwähnen sie, dass trotz ihrer Investitionen die laufenden Kosten die aktuellen Einnahmen weiterhin übersteigen. Man sei nach den jüngsten Fanprotesten offen für einen Teil- oder Vollverkauf der Grasshopper Fussball AG.