Kameradenschultern als Thron: Das brasilianische Team feiert mit dem König des Fussballs, Pelé, den Gewinn der WM 1970 in Mexiko. Bild: Keystone/AP
09.06.2026 15:34
WM-Special - WM-Geschichte
Duell zweier Kontinente
Bislang gelang es nur Teams aus Europa und Südamerika, Fussballweltmeister zu werden. Aktuell führt erstgenannter Kontinent mit 12:10. Erfolgreichste Nation ist aber Brasilien mit fünf Titeln. - Von Sacha Beuth
Spätestens seit Mitte der 1980er Jahre redeten vermeintliche Experten immer wieder einen Fussballweltmeister aus Afrika und später auch aus Asien herbei. Auch von den USA wurde der grosse Schritt schon lange erwartet, zumal das Land im Frauenfussball Rekord-Weltmeister ist. Passiert ist weder das eine noch das andere. Vielmehr teilen sich seit der ersten Endrunde 1930 in Uruguay mit dem Gastgeber als Sieger Europa und Südamerika die Titel untereinander auf. Erstgenannter Kontinent führt aktuell mit 12:10 Titeln.
Am meisten zuoberst auf dem Siegertreppchen – und dazu noch zweimal auf Platz 2 – standen allerdings die Brasilianer. Zwischen 1958 und 2002 sammelten sie gleich fünf Titel – davon drei mit Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt unter dem Namen Pelé. Keinem anderen Spieler gelang dieses Kunststück. Dabei hätte der erste WM-Gewinn für Brasilien bereits 1950 resultieren sollen. Doch in der Finalrunde unterlag die hochfavorisierte Seleção ausgerechnet Nachbar Uruguay mit 1:2, welches seinen zweiten Titel einheimste und ganz Brasilien in ein Tal der Tränen stürzte.
Die Weltnummer zwei nimmt Deutschland ein. Die DFB-Elf holte seit 1954 vier Titel, gleich viele wie der Drittplatzierte Italien, jedoch mit zwei Finalteilnahmen und drei Halbfinalteilnahmen mehr. Die Deutschen waren auch an den meisten Partien beteiligt, die Legendenstatus erhielten – sowohl bei Siegen wie bei Niederlagen. Unvergessen sind neben dem «Wunder von Bern» 1954 beim 3:2-Finalsieg gegen Ungarn etwa das 2:4 n. V. 1966 im Endspiel gegen England mit dem «Wembley-Tor» (zugleich die letzte WM-Endrunde der Schweiz für 28 Jahre) und die beiden «Jahrhundert-Halb-finals» 1970 (3:4 n. V. gegen Italien) und 1982 (3:3 n. V., 5:4 im Penaltyschiessen gegen Frankreich mit Schumachers Foul an Battiston und Fischers Fallrückzieher-Tor).
Platz vier geht an Argentinien mit drei Titeln, wobei vor allem jener mit dem genialen Maradona 1986 (Sololauf und «Hand-Gottes-Tor» gegen England) unvergessen ist. Die Franzosen folgen auf Rang 5 mit zwei WM-Siegen und zwei weiteren Finalteilnahmen. Und seit 2010 zählt auch Spanien zum erlauchten Kreis der Titelhalter.