22.07.2025 17:47
Schutz, der unter die Haut geht
RATGEBER Im Sommer halten sich Menschen vermehrt im Freien auf und setzen sich damit auch einer höheren UV-Belastung aus. Das wiederum erhöht das Hautkrebs-Risiko. Zusammen mit Roland Krischek, ExperteSicherheit und Gesundheitsschutz bei der Suva, gibt das «Tagblatt» Tipps zum Schutz der Haut. - Von Sacha Beuth
So sehr man das sonnige Wetter begrüssen mag, es bringt auch Gefahren mit sich wie beispielsweise verstärkte UV-Strahlung. Die kann nicht nur einen üblen Sonnenbrand, sondern sogar Hautkrebs verursachen. In einem Ratgeber erklärt Roland Krischek, Experte Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Suva, wie gross die Gefahren sind und wie man sich sowohl in der Freizeit wie bei der Arbeit im Freien am besten davor schützt.
Wieviele Personen erkranken wegen der UV-Belastung jährlich an Hautkrebs?
Laut der Krebsliga erkranken in der Schweiz pro Jahr rund 20 000 bis 25 000 Personen an hellem/weissen Hautkrebs und etwa 3000 an schwarzem Hautkrebs (Melanom). Die Suva geht aufgrund von Hochrechnungen aus Deutschland davon aus, dass mindestens 1000 helle/weisse Hautkrebsfälle pro Jahr beruflich bedingt sind.
Mit welchen Massnahmen kann man sich effektiv davor schützen?
Ein optimaler Sonnenschutz besteht aus vier wichtigen Säulen:
• Schatten durch Sonnensegel, Sonnenzelte
• Arbeitszeiten anpassen, so dass nicht an der prallen Sonne gearbeitet werden muss
• geeignete Kleider, Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen, die leicht und angenehm auf der Haut sind und vor UV- Strahlung schützen
• Sonnenschutzmittel (mindestens LSF 30, besser LSF 50)
Der Aufenthalt draussen an der Sonne sollte nach Möglichkeit vermieden werden, wenn der Sonnenstand am höchsten ist. Die Schutzmassnahmen sind mit einer angemessenen Bekleidung, die den ganzen Körper schützt, zu ergänzen. Hierzu zählt auch eine Kopfbedeckung mit Sonnenblende und Nackenschutz. Alle freien Hautstellen sind zusätzlich mit Sonnencreme mit mindestens einem Lichtschutzfaktor (LSF) 30 einzucremen (besser LSF 50). Das Auftragen von Sonnencreme muss mehrmals pro Tag zu wiederholt werden, da in der Regel immer zu wenig Sonnencreme aufgetragen wird, und die Wirkung durch Abrieb und Schwitzen schnell nachlässt.
Stichwort Schatten. Für Personen, die täglich im Freien arbeiten, wie etwa Bauarbeiter oder (Hobby-)Gärtner ist das Aufsuchen von Schattenplätzen nicht immer praktikabel. Was sollten die Betroffenen stattdessen tun?
Wenn es nicht möglich ist im Schatten zu arbeiten, bietet sich gegebenenfalls eine Verschiebung der Aussenarbeitszeiten an. Idealerweise sollte vor allem Morgens und am späteren Nachmittag draussen gearbeitet werden. Schon in der Arbeitsvorbereitung am Morgen, muss der Sonnenverlauf mit dem Schattenwurf in die Planung der Arbeiten einbezogen werden. Auch der Einsatz von Sonnensegeln oder Sonnenzelten sollte frühzeitig eingeplant werden. Wo es tatsächlich nicht möglich ist, den Arbeitsplatz zu beschatten, bleibt nur die persönliche Schutzausrüstung, sprich die zuvor erwähnte lange Kleidung mit Kopfbedeckung inklusive Nackenschutz und Stirnblende. Die Kopfbedeckung ist besonders wichtig, weil am Kopf die meisten Fälle von hellem/weissem Hautkrebs auftreten.
Wann ist die UV-Strahlung normalerweise am stärksten?
Die Intensität der Sonnenstrahlung richtet sich nach dem Sonnenstand. Über den Tag verteilt trifft zwischen 11 und 15 Uhr zwei Drittel der täglichen UV-Strahlung auf die Erde. Über das Jahr ist die UV-Intensität im Juni und Juli am stärksten.
Inwieweit erhöht sich das Hautkrebsrisiko nach einem Sonnenbrand?
Hier muss man zwischen den verschiedenen Arten von Hautkrebs unterscheiden. Beim hellen/weissen Hautkrebs ist die gesamte UV-Dosis entscheidend, folglich steigt das Risiko mit steigender Exposition. Es braucht nicht zwingend einen Sonnenbrand, um hellen/weissen Hautkrebs zu bekommen. Die langfristige und stetige UV-Exposition führt schliesslich zu einer Erhöhung des Hautkrebsrisikos. Beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) haben Studien gezeigt, dass starke Sonnenbrände in der Kindheit das Risiko, später an einem Melanom zu erkranken, erhöhen.
Wie erkennt man seinen Hauttyp und welchen Lichtschutzfaktor man nehmen muss?
Es gibt insgesamt 6 verschiedene Hauttypen. Der Hauttyp gibt an, wie lange man sich an der Sonne aufhalten kann, bis man eine Hautrötung bekommt. In der Schweiz am meisten verbreitet ist der Hauttyp II und III, also der nordische Hauttyp und der Mischtyp, welche eine Eigenschutzzeit bis zur Hautrötung zwischen 10 bis 30 Minuten haben. Der Lichtschutzfaktor (LSF oder englisch SPF) einer Sonnencreme gibt an, wie lange die Eigenschutzzeit der Haut verlängert werden kann. Aber das gilt nur, wenn man die vorgeschriebene Menge an Sonnencreme von 2 mg/cm² auf die Haut aufträgt. In der Realität macht das aber eigentlich niemand, weil man dann komplett weiss aussieht. Zudem nimmt die Schutzwirkung durch Schwitzen und Abrieb ab. Wenn ein Hauttyp II (15 Minuten Eigenschutzzeit) sich mit LSF 50 (entspricht in der Praxis einem LSF 25) eincremt, dann verlängert sich in der Praxis die Schutzzeit bis zur Rötung um 6,25 Stunden (25 x 15 Minuten) – Schwitzen und Abrieb allerdings nicht miteingerechnet!
Wie kann man als Laie Anzeichen von (weissem) Hautkrebs frühzeitig erkennen?
Heller/weisser Hautkrebs kann aussehen wie eine nicht heilende, verkrustende Wunde, rötlich schuppige Hautflecken oder bräunlich glänzende Knötchen. Diese Merkmale von ungefährlichen Hautveränderungen zu unterscheiden ist für den Laien schwierig und deshalb sollte man bei einem Verdacht, immer einen Arzt aufsuchen.
Weitere Infos:
www.suva.ch/hautkrebs
www.suva.ch/sonne-faq
www.suva.ch/sonne